Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1896)
- Date
- 1896-09-01
- Page
- Seite 203 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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203 weiser Mann geworden und unter allen seinen Spenden waren die besten die, welche er aus dem Schatze seiner Erfahrung austeilte. Nur in einem war er nicht alt und nicht weise geworden — sein Herz blieb das eines Kindes. Wohl wußte er es, daß die Welt anders geartet ist,sie als er als Wunsch in seinem Herzen trug; wohl hat er es durch viele Jahrzehnte eifrigster und fruchtbarster Arbeit im wirklichen Leben bewiesen, daß er kein unpraktischer Träumer war, aber sein Herz blieb im Streit mit seinem Kopfe und er, der das Leben so gut wie wenige kannten, hat sich nie mit ihm ausgesöhnt. Dieser Widerspruch war sein größtes — vielleicht sein einziges wahres Leid. So vieles war ihm gegeben, was zu des Lebens wahrsten Gütern gehört : eine bis ins hohe Alter unerschütterte Gesundheit, klarer und feiner Verstand, Freude an der Arbeit, noch in späten Jahren das Glück der Familie, die Achtung seiner Mitbürger, und vor allem die Möglichkeit und der Mut stets nach seiner Ueberzengnng zu handeln, und darum auch ans ein vorwurffreies Leben zurückzublicken: aber dahin kam er nie, ruhig und gleichmütigen Herzens in dieses Lebens wild bewegten Strom zu schauen, von dem er doch so gut wußte, daß seine von dem Streite der Interessen aufgewühlten Wasser durch das Öl der Liebe niinmer geglättet werden. Alles fremde Leid und Unrecht berührte ihn, wie von ihm selbst erlitten, wie an ihm geübt, sein Herz war weich und leidenschaftlich im Empfinden, daruin war sein Urteil streng — am strengsten gegen sich selbst; sein Herz war gerecht, darum forderte und übte er Werke der Gerechtigkeit — und nach seinen Werken möge ihm vergolten werden!" Neujahrs-Gebet. Bon vr. S- Hecht. Von dem Throne Deiner Allmacht Laß' die Kraft uns dauern aus. Wer im innigen Gebete Dir,, o Gott, sein Herz erschließt — Mög' Dein Heil ihm sein beschieden. Du, dem alles Heil entsprießt, Eltern segne, seg'n die Kinder, Guter Gott, im neuen Jahr. Blick', o Vater, huldvoll nieder Auf die treue Kinderschaar, Die in Ehrfurcht Dir vertrauen, Auf Dich ihre Hoffnung bauen. Die ihr Herz vor Dir erschließen, Thränend ihre Sünden büßen — Segne sie im neuen Jahr. Deine Liebe, Gott, laß walten Über diese unsere Stadt, Lasse Deinen Frieden schalten Und uns werden freudesatt. Send', o Gott, des Segens Fülle, Friede in ein jeglich Haus; Lös' der Herzen starre Hülle,