Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1896)
- Date
- 1896-09-01
- Page
- Seite 202 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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202 und vermachte auch letztwillig denjenigen Wohlthätigkeitsanstalten, welchen er im Leben nahe gestanden hatte, Beträge, deren Höhe im Verhältnis zu dem von ihm hinterlassenen Vermögen ihre Erklärung nur in dem Ausspruch seines Testaments findet: das anvertraute irdische Gut zur Ehre Gottes und zum Besten leidender Mitmenschen, für die eigenen Bedürfnisse aber nur nach Maßgabe einer bescheidenen Anforderung an das Leben, nicht nach der Eingebung weltlicher Eitelkeit verwenden zu sollen. In lebhafter Erinnerung bleibt mir der ehrwürdige Greis, wie er so im schlichtesten grauen Nock daherwandelte,. das kluge, freundliche Auge zur Erde gesenkt, von Jedermann freundlich gegrüßt. Cassel darf seinen wohlthätigen Mitbürger und weisen Nathan nicht vergessen!" So weit die charakteristische, briefliche Mitteilung. — Von Seiner Majestät dem Kaiser Wilhelm I. wurde Nothfels für seine Opferwilligkeit der Kronenorden mit dem roten Kreuz auf weißem Felde und die Kriegsdenkinünze für Nicht-Combattanten verliehen. So zurückgezogen von dem Weltgetriebe dieser seltene Mann im Allgemeinen lebte, seine Mitbürger hatten seine vorzüglichen Eigenschaften sehr wohl erkannt und betrachteten ihn als eine Vertrauensperson in vollem Umfange des Wortes. Wiederholt wurde er in den Stadtrat der Residenz gewählt und gehörte dieser Körperschaft bis zu seinein Tode an; das Beileidsschreiben, welches der Oberbürgermeister, der Bürgermeister und die Mitglieder des Stadtrats nach Rothfels Ableben an seine Wittwe -richteten, giebt den besten Beweis dafür, in welch' hohem Ansehen der Dahingeschiedene stand. Der Schlußsatz dieses Schreibens lautet: „Wir aber verlieren in Ihm den besten, edelsten Mitbürger, den treuen, allbewährten Vaterlandsfreund, den unermüdlichen Mitarbeiter und Amtsbruder, den Mann, in dessen Herzen Jeder, welchen Sorge und Not zu erdrücken drohte, Trost, Zuflucht und Hülfe fand. Nicht Sie, nicht wir, auch nicht die Stadt allein, das ganze Land empfindet diesen Verlust auf das tiefste." Jeremias Rothfels starb am 12. November 1873, nach kurzer Krankheit in dem Hause Kölnischestraße 3, welches sich noch jetzt in« Besitz seiner Familie befindet. An seiner Bahre standen seine ztveite Gattin (Minna verw. Goldschmidt geb. Hertz), zwei Stiefsöhne, denen er den früh verlorenen Vater ersetzt hatte und der Sohn, welchen ihm, noch in hohem Lebensalter, die Vorsehung schenkte. Ein imposanter Trauerzug folgte seiner irdischen Hülle, als sie zum letzten Ruheorte hinausgetragen wurde. Noch einmal ^og in den trefflichen Reden, welche an seinem Grabe gehalten wurden, das Leben des Dahingeschiedenen mit seinen hervorragenden Charaktereigenschaften an den Leidtragenden vorüber. Am treuesten aber wurde das nunmehr vollendete Dasein des Verewigten in die Worte zusammengefaßt: „Biele wissen, daß sein Leben wohl angewandt war, nicht blos für andere, sondern für ihn. selber: noch ehe er ein alter Mann war, war er ein