Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1896)
- Date
- 1896-09-01
- Page
- Seite 201 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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201 stiftung zu betrachten, durch welche er dem Lehrer-Seminar ein Schulgebäude, den Lehrer-Wittwen und Waisen, sowie den emiritirten Lehrern in der vormaligen Provinz Niederhessen jährliche Einkünfte sicherte. Vorausgegangen war bereits im Jahr 1848, aus Anlaß des Todes seiner ersten Gattin (Johanna geb. Gans), die Begründung der Johanna Rothfels'schen Stiftung für allein stehende Frauen und Jungfrauen. Rothfels war Freimaurer und gehörte der Loge zur Eintracht und Standhaftigkeit in Cassel an. Nach dem einstimmigen Zeugniß seiner Logenbrüder faßte er die Königliche Kunst im idealsten Sinne auf und folgte den Worten Herder's „sich der Menschheit anzunehmen, wie und wo sie gefangen liege, ihre Freuden und Leiden als eigne zu betrachten." Er war Maurer in seinem ganzen Denken, Fühlen und Handeln, er war Maurer iu jeder Lage des Lebens, mit jedem Atemzuge. Als echter Maurer betrachtete er die ganze Menschheit nur als eine große Brudergeineinde und half allenthalben, wo das Bestreben sich kund gab, in wirklich wohlthätiger Weise für das Heit der Erdenbürger zu sorgen, gleichviel welchem Glaubensbekenntnisse sie angehörten. Als z. B. im Jahre 1864 die Gründung eines Diakonissenhauses für Kurhessen beschlossen wurde, da war er es vor Allen, der mit seinem weisen Rate, aus dem reichen Schatze seiner Erfahrungen das Unternehmen förderte und nicht blos mit Rat, sondern auch mit der That. Ebenso hatte er seine thätige Liebe dem 1869 gegründeten Frauenstifte in Jesberg zugelvendet und noch vielen anderen Anstalten der Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit, wie auch zahllosen Armen und Bedürftigen, die bei ihm Hülfe suchten und fanden — stets ohne Unterschied des Glaubens und Bekenntnisses. Auch in den Kriegsjahren 1866 und 1870 beteiligte er in thatkräftiger Weise sich an den Werken der Barmherzigkeit. Wie er seine Wohlthätigkeit bei dieser Gelegenheit betrieb, dürfte wohl am Besten aus den Mitteilungen eines seiner damaligen Kollegen im Vorstand der Kaiser Wilhelm-Stiftung zur Unterstützung dürftiger Krieger und deren Familien hervorgehen. „Bei den Sammlungen", schreibt unser Gewährsmann, „wurden hohe Beträge gezeichnet. Rothfels zeichnete in seinem feinen Sinne nie mehr, als den von Andern gezeichneten höchsten Betrag, aber es erschien dann noch ein Ungenannter, oder auch wohl die Chiffre Rs. in der Liste mit wenigstens demselben Betrage, und dies war Niemand Anders, als er. Konnte der Vorstand mit Rücksicht auf seine Mittel in einzelnen Fällen nicht so geben, wie er wohl wünschte, dann machte sich Rothfels still seine Notizen — was nur ich als sein Nebenmann bemerken konnte — und sandte der Familie eine besondere Gabe. Ich mußte daran denken, was in „Nathan der Weise" die Daja sagt: „So seid Ihr nun! wenn Ihr nur schenken könnt, nur schenken könnt!" Und er schenkte wie Nathan so gern und sonder Ansehn, Jud', Christ und Muselmann und Parst, alles war ihm eins! Er lebte sparsam, um nur geben zu können