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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-09-01 · Heft 9 (1.9.1896) · p. Seite 200

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 9 (1.9.1896)
Date
1896-09-01
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
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200 vollendet zu haben. Sein getreuer Schüler Jeremias Rothfels betrachtete es aber als eine Pietätspflicht nach den Aufzeichnungen Gerlings das Werk fertig zu stellen, und bereits im.Mai desselben Jahres erschien es — ein umfangreicher Band — bei Georg Luckhardt in Cassel im Buchhandel. Obwohl Mathematiker häufig für alles Andere unzugänglich sind und lediglich ihrer Wissenschaft leben, so machte Rothfels doch hiervon eine bemerkenswerte Ausnahme. Er war ebenso heimisch in der Sprache und Litteratur, die am Jordan blühte, wie in derjenigen Griechenlands und Roms; er versenkte sich ebensowohl in den Gang der Geschichte, wie er die Erscheinungen zu enträtseln suchte, die sich am Himmelszelt vollziehen. Eine besondere Verehrung hegte er für Lamartine und. er gab ihr nach dessen Tod Ausdruck in einer biographischen Skizze, in welcher er den Dahingeschiedenen hauptsächlich gegen den Vorwurf in Schutz nimmt, durch seine historische Darstellung der großen Revolution die Anregung zu den Februar-Ereignissen des Jahres 1848 in Paris gegeben zu haben. Die Biographie Lamartine's ist von Anfang bis Ende mit großer Wärme und tiefem Gefühl für die menschlich schönen Eigenschaften des hervorragenden Mannes geschrieben, dem besonders nachgerühmt wird, daß er „die höchste dichterische Begabung mit den tiefsten religiösen Empfindungen zu vereinigen" verstanden habe, und man muß bedauern, daß der Verfasser eines so zu Herzen sprechenden Merkchens nicht häufiger die Feder ergriffen hat, um seinen Anschauungen über Welt und Menschen bleibenden Ausdruck zu geben. Jeremias Rothfels war in Cassel geboren und lebte und wirkte daselbst, dieser Umstand muß bei seiner Charakterisierung in Betracht gezogen werden; denn wie seine Vaterstadt damals in ziemlicher Abgeschlossenheit die größten Schönheiten in sich barg, die von der großen, lärinenden Welt nur selten ausgesucht und an das Tageslicht gezogen wurden, so lebte auch er still und einfach, trotz der köstlichen Schätze, die er in seinem Geiste barg. Von seinem reichen Wissen, das sich nach den verschiedensten Richtungen erstreckte, hatte wohl zunächst eine Anzahl israelitischer Einrichtungen Vorteil, die gerade in Hessen unter der Nachwirkung der freisinnigen Constitution des Königreichs Westfalen früher als anderwärts eingeführt waren. Provinzialverbände mit Centralbehörden, eine Lehrerbildungsanstalt, öffentliche Schulen und die definitive Bestellung der Lehrer haben in Hessen seit einem halben Jahrhundert ihre» gesetzlichen Boden. Als langjähriges Mitglied des niederhessischen Provinzial-Vorsteheramtes nahm sich Rothfels besonders der Lehrer an, die er nicht nur als Bildner der Jugend, sondern auch als Träger der von ihm leidenschaftlich geliebten Sangesweisen beim Gottesdienste hochschätzte. Als größtes Zeichen seines Interesses für den Lehrerstand ist die 1868 errichtete Jeremias und Simon Rothfels'sche Schul-

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