Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1896)
- Date
- 1896-09-01
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969823-2969833--4862-2974141- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
199 denselben. „Das Gebet," sagt Herr Satter, „ist, so viel wir wissen, eine nutzlose Verschwendung menschlicher Energie." „Das Gebet, als Ansprache, ist unverschämt, eine Verkleinerung des hohen Geheimnisvollen, an dessen Brust wir und die ganze Welt ruhen." „Das Gebet zu Gott enthält eine zweifache Versündigung. Erstens, Mißtrauen gegen das Wohlwollen jener Ordnung, durch die Gott bereits offenbart ist, und welche besteht, ob wir beten oder nicht; zweitens zeugt es von Zweifel an die Möglichkeit der Erfüllung herannahender Folgen der zu erzielenden Resultate, nach denen wir uns selbst sehnen." (Schluß folgt.) Jeremias Mottzfets. In unserer so schnell dahinlebenden Zeit, in welcher das Gute gar bald vergessen wird, da ein vermeintlich Besseres seine Stelle einnimmt, sollte es unser Bestreben sein, das Gedächtnis derer festzuhalten, welche jetzt von der Erde bedeckt, ehemals Licht und Wärme um sich verbreiteten. So mag es denn auch gestattet sein, den Lebensabriß eines in seiner Art außerordentlichen Mannes zu geben, der bis in sein Greisenalter, trotz der wandelbaren Verhältnisse, die er mit durchlebte, sich treu geblieben ist und ohne nach Ruhm und Ehre zu jagen, in stiller Zurückgezogenheit, aber mit weisem Ratgeben und reicher Wohlthätigkeit, das Dasein eines echten Weltweisen geführt hat. Jeremias Rothfels war in Cassel am 15. August 1800 in dem jetzt die Nummer 21 tragenden Haus der Wildemannsgasse geboren. Von Jugend auf fühlte er sich zur Lösung mathematischer Aufgaben hingezogen und widmete sich trotz des Widerspruchs seiner Eltern, welche ihn gern der kaufinännischen Laufbahn zugeführt hätten, dem Studium dieser Wissenschaft. Obgleich er aber mit Leib und Seele Mathematiker war und hierdurch auch zur Astronomie übergeleitet wurde, so lag doch die Bewerbung um ein Lehramt außerhalb seines Lebensplans. Sein akademischer Führer in den von ihm gewählten Wissenschaften war Professor Gerling in Marburg, welcher daselbst von 1817 bis 1864 in der anregendsten Weise thätig war. Die Tüchtigkeit Rothfels in den genannten Fächern gab auch die Veranlassung, daß er zu dem berühmten Forscher auf dem Gebiete der Astronomie und Physik, Professor Gauß in Göttingen, in nahe Beziehungen trat und für ihn im Laufe der Zeit mehrfach astronomische Beobachtungen anstellte. Professor Gerling, auf dessen Anregung hin u. A. auch die amerikanische Regierung eine Expedition zur schärferen Bestimmung der Sommer-Paralaxe entsendet hatte, starb zu Anfang 1864, ohne sein Werk über analytische Geometrie