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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-09-01 · Heft 9 (1.9.1896) · p. Seite 196

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 9 (1.9.1896)
Date
1896-09-01
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196 Er war der Urheber zur Einführung des Kindergarten-Systems in diesem Lande, welches die Kinder von der Straße ninimt und sie beim Spielen zu erziehen beginnt. Damit noch nicht zufrieden, wies Dr. Adler mit Effekt auf die Wichtigkeit hin, daß nicht allein der Geist, sondern auch der Körper der Ausbildung bedürfe, und durch kräftige Befürwortung half er bedeutend mit an der Einführung der Handwerkerschulen in Amerika. Begeistert für die leidende Menschheit, zögerte er nicht, die Schandflecken inoderner Civilisation aufzndecken, und thatkräftig führte er die Tenement-House-Reformbewegung durch. Für all diese großen Unternehmungen schulden wir ihm den Tribut der Dankbarkeit und der Anerkennung. Sein jüngster Erfolg war die Gründung einer Schule für „applied Etliics“, welche im Sommer in Plymouth, Mass., ihre Versammlungen hält Dr. Adler kam gerade von einein wöchentlichen Aufenthalte von dort zurück. Es gelang ihm während des verflossenen Sommers, ernste, denkende Männer und Frauen aller Stände und Konfessionen dort zusammenznbringen und ihre besten Gedanken der großen Arbeiterfrage zu widmen. Auf diese Weise wird jedes Jahr irgend ein wichtiges ethisches Problem von den großen Denkern aller Schulen der modernen Ideen behandelt. Ich erachte das als einen der bedeutendsten Erfolge der Jetztzeit, undrückhaltslos zolle ich dem Herrn Prof. Felix Adler, dem Urheber, Führer und d'er Seele dieses Werkes, die größte Anerkennung. Es ist mein Wunsch, das System, welches er befürwortet, und den Verein, den er begründet, mit seinen verschiedenen Zweigen in manchen Teilen dieses Landes, unter dem Namen des ethischen Vereins, heute Abend zu berühren. Ich will, kurz gefaßt, die Grundpfeiler jenes Systems init denen des Judentums vergleichen. Ich erinnere mich, mit welcher Entmutigung ich vor einigen Jahren einen Artikel von Dr. Adler las, worin er vorgab, daß Fälle entstehen könnten, wonach der Mensch sein eigenes Leben zu nehmen gerechtfertigt sei. Ich nahm in meinem letzten Vortrage, als ich von Herrn Jngersolls Befürwortung des Selbstmordes sprach, auf diese Frage Bezug. Es ist erstaunlich, daß ein Mann, so durchdrungen von ethischen Lehren, wie Dr. Adler, Selbstmord, unter irgend welchen Umständen, für gerechtfertigt hält. Hierin liegt die Scheidung, auf immer und ewig, zwischen Jngersolismus und Judentum, sagte ich letzte Woche, und ich wiederhole es heute Abend, in Bezug auf das Judentum und die ethische Kultur. Es ist möglich, daß Prof. Adler einen Menschen im Auge hat, dessen Kräfte im Schwinden sind, einen, der dem Siechtuin verfallen ist. Gefesselt liegt er auf Wochen, Monate und Jahre auf seinein Lager. Das Gedächtnis schwindet ihm, die finite sterben allmählich ab, die Organe des Körpers allein scheinen nur noch zu leben .und den Schmerz des Leidenden zu verlängern. Er muß unter fortwährender Aufsicht stehen, und es mag sein, daß ein Beistehender mitleidsvoll

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