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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-09-01 · Heft 9 (1.9.1896) · p. Seite 195

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 9 (1.9.1896)
Date
1896-09-01
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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— 195 — Unter den Mitgliedern des ethischen Knlturvereins hier und anderwärts zählen manche zu meinen besten Freunden, die ich achte und ehre, mit denen ich wohl differiere in religiöser und geistiger Beziehung, aber inimerhin durch aufrichtige Freundschaft mit ihnen verbunden bin. Es gereicht mir zum Stolze, den Leiter der ethischen Gesellschaft in hiesiger Stadt Freund nennen zu können. Es war mein Vorrecht seit meinem Hiersein, in gewissen Unternehmungen gemeinsam mit ihnr zu wirken. Als dem Kongreß der Vereinigten Staaten jenes nichtswürdige Dokument, das nun unter dem Namen des „russischen Auslieferungsvertrags" bekannt ist, zur Beratung vorlag, ein Vertrag zwischen der Demokratie und dem Despotismus, war es Herr Prof. Wm. S. Salter, der Philadelphia widerhallen machte mit seinem Einwande gegen einen Akt, der. als ein Fleck auf den Annalen der Vereinigten Staaten haftet. In den großen Wohlthätigkeits-Unternehmungen, die hier während des vorigen Winters zur Notwendigkeit wurden durch die Niederlage der Geschäfte und Schließung der Mühlen, war er einer der unermüdlichsten Kämpfer; er wohnte nicht allein Versammlungen bei und machte Pläne, sondern half sie auch ausführen. Ich bin nicht weniger stolz darauf, den Gründer der ethischen Gesellschaft Freund nennen zu können. Seit einer Reihe von Jahren haben wir uns verstehen und unsere respektive» Arbeiten würdigen gelernt. Während des vergangenen Sommers, in welchem ich eine Reise in den Adirondack-Gebirgen unternahm, stieß ich auf einen der schönsten Plätze dieses Landes, auf ein offenes Plateau, von turmartigen Bergspitzen umgeben. Hier hörte ich zufällig, daß Prof. Felix Adler auf „Keene Lights" den Sommer verbringe. Ich machte mir das Vergnügen, ihn zu besuchen und einen Abend bei ihm zu verbringen. Es schien mir, als ob die freie Luft dieser Gebirgshöhe, die Hoheit dieser geheiligten Anhöhen, ihre Spitzen gen Himmel ragend, den Edelsinn dieses Mannes verbildlichten! Ich wurde mir bewußt, daß er berghoch über Jene ragte, die aus Eifersucht den Schaft der Verleuindung gegen ihn schleuderten. Als ich den hohen Thematen, mit welchen er sich mit mir unterhielt, eifrig folgte, schienen wir gleichsam in der geistigen Welt von riesigen turmartigen Bergesgipfeln umgeben zu sein, deren Größe die Seele mit dem Sinne der Erhabenheit füllte. Dr. Adler unterhielt mich mit der Beschreibung seines jüngsten Unternehmens, der Arbeit seiner Sommerschule. Ich wußte von seiner Führerschaft bei wohlthätigen Zwecken, von seinen Bemühungen, alle Wohlthätigkeits-Organisationen in ein System zu fassen, und dieses als einzige Lösung eines unserer größten sozialen Probleme vom neunzehnten auf das zwanzigste Jahrhundert zu übertragen. Er wies darauf hin und bemühte sich, der Thatsache Nachdruck zu verleihen, daß die wahre Wohlthätigkeit im Verhindern liegt und daß die richtige Verhindernngsmethode Aufklärung ist.

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