Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1896)
- Date
- 1896-08-01
- Page
- Seite 189 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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189 und einen betenden Juden mit Tallith und Tefillin" von M. Moyse, „Moses ans dem Berge Nebo" von Demont, „Elieser und Rebecca" von Shomme, ein weiterer „Jsmael" von Mlle. Shmith, „Elias" von Despagnat und ein Portrait des alten Rabbiners Haguenau von Seeberger. Endlich noch ein sehr interessantes Bild von M. Lix: „Die Juden von Straßburg auf dem Scheiterhaufen unter der Anklage durch Brunnenvergiftung die Pest herbeigefiihrt zu haben". — Im Magistrat i-Sitzungssaale des Rathauses zu Wien fand am 2. Juni die Civiltrauung des Herrn Max Ritter v. Gutmann, des ältesten Sohnes des verstorbenen Wilhelm Ritter v. Gutmann, mit Fräulein Emilie Hartmann, einer Tochter des Hofschauspielerpaares Ernst und Helene Hartmann, statt. Den Trauungsakt nahm Magistratsrat Müller vor, der an das Brautpaar eine kurze Ansprache richtete worauf der Ringwechsel vollzogen wurde. — Als einst der berühmte französische Künstler Eugene Delacroix bei Baron James Rothschild zu. Gast war, fixirte er ihn während einer ganzen Mahlzeit in so auffälliger Weise, daß Baron Rothschild sich genöthigt sah, den Künstler nach der Ursache dieses fortgesetzten Anstarrens zu fragen. Dieser gestand, daß er ein neues Bild in Arbeit habe, für das ihm noch der Kopf eines Bettlers fehle. Vergeblich habe er bis nun nach einem passenden Modell gesucht und sei daher ganz überrascht, es in Baron Rothschild gefunden zu haben, wie er es sich besser nicht wünschen könnte. Ob es wohl zu viel verlangt wäre, wenn er ihn bitten lvürde, ihm als Bettler zu sitzen? Lachend willigte Baron Rothschild ein, und es mag wohl das erstemal vorgekommen sein, daß ein Millionär seine Züge dem Bilde eines Bettlers lieh. Tags darauf fand sich der Baron denn auch im Atelier des Künstlers ein, Delacroix hing ihm eine Tunika um die Schultern, gab ihm einen dicken Stock in die Hand und hieß ihn eine Stellung einnehmen, als ob er auf den Stufen eines alten römischen Tempels ausruhen würde. In dieser Stellung wurde er von einem Freund und Schüler des Meisters, der allein das Recht hatte, zu jeder Stunde unangemeldet in das Atelier einzutreten, überrascht. Er war entzückt von der prächtigen Bettlergestalt und gratulirte dem Maler zu dieser Acquisition. Nicht einen Moment zweifelte er daran, daß er einen wirklichen Bettler vor sich habe, den der Maler in irgend einem Straßenwinkel ausgefunden, und als Delacroix das Auge für einen Moment abwandte, drückte der junge Mann dem Modell ein Zwanzig-Francs-Stück in die Hand. Rothschild nahm das Geld und dankte dem jungem Mann, der sich gleich darauf entfernte, durch einen Blick. Es wurde dem Baron nicht schwer, durch Delacroix Näheres über dessen Freund zu erfahren. Dieser war aus armer Familie und mußte Lektionen erteilen, um sich das Studium zu ermöglichen. Kurze Zeit darauf erhielt er einen Brief, daß Barmherzigkeit Interessen trage, und daß sich demzufolge auch die 20 Francs, die er in edelmütiger Anwandlung einem, den er für einen Bettler gehalten, in die Hand gedrückt, bedeutend ver-