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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-08-01 · Heft 8 (1.8.1896) · p. Seite 174

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 8 (1.8.1896)
Date
1896-08-01
Page
Seite 174 (sequence 6)
Language
German
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174 reinster Rasse, und weil bei den Orientalen die Mädchen schon mit dreizehn, vierzehn Jahren verlobt werden, sollte mein Modell in diesem Alter stehen. Wohl stand die weibliche Jdealgestalt, eine junge Jüdin, welche zugleich die Heiligkeit und die Schönheit die den Töchtern ihres Stammes eigen waren, darstellen sollte, in allgemeinen, dämmernden Umrissen vor meinem geistigen Auge — wo aber ein Modell finden, das so hohen Anforderungen an Gestalt wie Gesichtszüge zu entsprechen vermochte? Ich schleuderte wochenlange mehrere Stunden des Tages in den von den Juden bevölkertsten Bezirken Wien's herum, namentlich in jenen Teilen der Leopoldstadt, wo das Quartier der polnischen Juden ist, fand aber nicht das Erwünschte. Schon mißmutig über mein fruchtloses Forschen begegnete mir zufällig in einer Gasse, wo ich es am wenigsten vermutete, ein Mädchen von 14 Jahren, noch mager und unentwickelt, aber gerade von einer so keuschen Schönheit und einem so rührenden Ausdrucke in dem schmalen typischen Gesichte mit großen seelenvollen Augen, wie ich es für meine Arbeit brauchte. Ich hätte bald einen lauten Ruf der Freude gethan, als ich plötzlich das gehoffte Modell vor mir stehen sah; denn daß das Mädchen gerne bereit sein würde, mir den gewünschten Dienst zu leisten, schien kaum zweifelhaft; ihre Kleidung war ärmlich und trug den Stempel des Elends an sich, so daß sie auch in dieser Beziehung für eine echte Verkörperung der Braut des armen Zimmerniannes von Nazareth gelten konnte. Ich sprach das Kind an und schon am folgenden Tage erschien es in meinem Atelier, begleitet von einer alten Hausirerin, die das verwaiste Mädchen zu sich genommen hatte. Ich erkannte, daß es der Alten ein schweres Opfer kostete, Rebekka — so hieß das Mädchen — zu diesem Geschäfte herzugeben, und ich gab ihr sofort ein hübsches Sümmchen, um ihr den Kampf zu erleichtern. Alsbald machte nun auch das Bild rasche Fortschritte und entwickelte sich mehr und mehr zu jenem vollendeten Kunstwerke, als welches es meinen Namen verbreitete. Es war natürlich, daß ich auch an dem jungen Mädchen dessen Züge ich verherrlichte, ein großes Interesse fand, umsomehr, als ich erkannte, daß hier der Körper mit dem Geiste wirklich harmonierte. Ich beschenkte sie und unterhielt mich gerne mit ihr, wenn die Sitzung vorüber war. Das Bild wurde ausgestellt, fand allgemeine Bewunderung und endlich einen Käufer um einen Preis, den zu erreichen ich nicht ahnte, und der es mir ermöglichte, nach Italien zu reisen. Nach mehreren Jahren meines Aufenthaltes in Rom kehrte ich wieder nach Wien zurück und aus Dankgefühl suchte ich mein Modell auf. Ich hatte Mühe, sie zu finden. Sie wohnte jetzt mit ihrer Pflegmutter in einem fashionablen Hause in der inneren Stadt. Sie selbst öffnete mir auf mein Anläuten. Das Kind war inzwischen zu einer wunderbaren Schönheit er-

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