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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-08-01 · Heft 8 (1.8.1896) · p. Seite 172

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 8 (1.8.1896)
Date
1896-08-01
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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172 Der Antisemitismus ist in allen Ländern, wo er eine wirkliche Bedeutung hat. stets nur die Waffe einer politischen Partei oder das Resultat einer ernsten wirthschaftlichen Lage gewesen. Doch in Frankreich, wo die Inden keineswegs, wie man uns einreden will, die absoluten Herren der Macht und des Geldes sind, ist der Antisemitisinns etwas in der Luft Schwebendes, das keine Wurzeln iin Volke hat. Es bedurfte, um eine scheinbare Bewegung zu schaffen, die im Grunde nur Lärm ist, der Leidenschaft einiger Hitzköpfe, in denen noch eine schiefe Auffassung des Katholizismus lebt, und die mit einem Mißbrauch der Litteratur sogar die Rothschilds als die Abkömmlinge Juda's verfolgen, der ihren Gott den Feinden überliefert und gekreuzigt hat. Und ich setze hinzu, daß das Verlangen, Aufsehen zu erregen, die Wuth, sich gedruckt zu sehen und in weitem Kreise bekannt zu werden, zu diesem Brande und zu dieser öffentlichen Unterhaltung von Scheiterhaufen nicht wenig beigetragen hat, deren Flamnien glücklicherweise nur zur Dekoration dienen. Daher auch dieses klägliche Fiasko! Seit so vielen Monaten so viele Schmähungen, so viele Schimpfereien; Juden werden tagtäglich als Mörder und Diebe denunziert, sogar ans Christen macht man Juden , wenn man sie packen will, die ganze Welt ist verjudet, verschachert, besudelt und verdammt! Und im Grunde nichts als Lärm, häßliche Worte, zur Schau gestellte gemeine Leidenschaften, nicht eine Handlung, nicht eine Zusammenrottung, nicht ein zerschlagener Schädel, nicht eine zertrümmerte Fensterscheibe! Unser liebes französisches Volk muß doch ein kluges, gutes und ehrenhaftes Volk sein, daß es nicht auf diese täglichen Anreizungen zum Bürgerkriege hört. Das Merkwürdige dabei ist nur, daß sie behaupten, ein gutes und unbedingt notwendiges Werk zu thun. Ach! die armen Wichte, wie beklage ich sie, wenn sie aufrichtig sind! Welch jämmerliches Andenken werden sie hinterlassen; welch' eine Fülle von Jrrtümern, von Lügen, von neidischer Wut, von Übertreibungen, die sie tagtäglich Zusammentragen! Wenn ein Kritiker in diesen Pfuhl hinabsteigen wollte, er würde schaudernd zurückweichen. An den Schandpfahl der Geschichte wird man sie nageln, wie soziale Missetäter, deren Verbrechen nur Dank der seltenen Verblendung, in der sie begangen worden, nicht zu Stande gekommen sind. Denn das ist mein beständiges Erstaunen, daß eine solche Rückkehr des Fanatismns, ein solcher Versuch eines Religionskrieges in unserer Zeit, in unserm großen Paris, inmitten unseres guten Volkes Vorkommen konnte. Und das in unserer Zeit der Demokratie, der allgemeinen Toleranz, da eine ungeheuere Bewegung sich auf allen Seiten kund gibt, und Gleichheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit die allgemeine Parole heißt! Wir stehen auf dem Punkte, die Grenzen zu zerstören, von der Gemeinschaft der Völker zu träumen, Religionskongresse zu berufen, damit die Priester aller Kulte sich umarmen, uns alle verbrüdert zu

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