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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-08-01 · Heft 8 (1.8.1896) · p. Seite 171

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 8 (1.8.1896)
Date
1896-08-01
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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171 Wie? Ihr seid mehr als zweihundert Millionen Katholiken, man zählt kaum fünf Millionen Juden? Ihr zittert; Ihr ruft nach der Polizei, Ihr erhebet eine» entsetzlichen Lärm, als wenn Schaaren von Räubern sich auf das Land gestürzt hätten. Das nenne ich Mnth! Ich glaube, die Bedingungen des Kampfes sind annehmbar. Warum seid Ihr auf kommerziellem Gebiet nicht ebenso intelligent und stark wie sie? Während des Monats, da ich die Börse besuchte, um mich mit der Materie vertrant zn machen, sagte ein katholischer Banqnier zu mir, als er von den Inden sprach: „Ach, mein Herr, sie sind stärker als wir; sie werden uns stets schlagen." Wäre das wahr, es wäre wirklich demütigend. Doch warum sollte es wahr sein? Die natürliche Veranlagung mag schon vorhanden sein, die Arbeit und die Intelligenz vermögen trotzdem Alles. Ich kenne Christen, welche ganz ausgezeichnete „Inden" sind. Das Feld ist frei und wenn sie auch zuni Erlernen des Geldvcrdieuens Jahrhunderte für sich haben, so braucht man ihnen nur auf dieses Gebiet zu folgen, ihre Eigenschaften sich anzueignen nnd sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Nichts ist einfacher; das ist eben nur das Gesetz des Lebens. Welche tiefe Befriedigung mögen sie wohl empfinden angesichts der Verzweiflung, die Ihr zur Schau tragt! Sie sind nur in der Minderheit und veranlassen einen solchen Aufwand von Streitkräften! Alle Morgen schmettert Ihr sie nieder, blast Ihr verzweifelt zum Appell, als wenn die Stadt vor der Gefahr stünde, mit Sturm genommen zu werden! Wenn man Euch hört, müßte man das Ghetto wieder errichten, wir hätten wieder die Judengasse, die man Abends mit Ketten absperren würde. Ihr hegt noch immer den schönen Glauben, daß man die Leute unterdrückt. wenn man sie verfolgt? Aber ganz das Gegenteil ist der Fall! nicht eine große Sache giebt es, die nicht erst mit dem Blute ihrer Märtyrer feste Wurzel gefaßt hätte! Wenn es noch Juden giebt, so ist das Eure Schuld! Sie wären verschwunden, hätten sich verschmolzen, hätte man sie nicht gezwungen, sich zn verteidigen, zu grüppiren lind hartnäckig bei ihrer Rasse zu verharren. Und noch heute komnit ihre eigentliche Macht von Euch, die Ihr sie ihnen durch Übertreibung erst fühlbar macht. Man schafft schließlich eine Gefahr, indem man jeden Morgen ausschreit, sie existirc. Sprecht nicht mehr von ihnen und sie werden nicht mehr da sein. Am Tage, da der Jude nur ein Mensch ist wie wir, wird er unser Bruder sein. Und nun drängt sich uns die entgegengesetzte Taktik auf, nämlich die Arme weit zu öffnen, und die vom Kodex anerkannte Gleichstellung auf sozialem Gebiete zu verwirklichen; die Juden zu umarmen, um dem Rassenkriege ein Ende zu machen, indem man die Rassen vermischt, Heirathen zu stiften und den Kindern die Sorge zu überlassen, die Väter zu versöhnen. Das allein ist das Werk der Einigkeit, das wahrhaft menschliche und befreiende Werk.

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