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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-08-01 · Heft 8 (1.8.1896) · p. Seite 170

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 8 (1.8.1896)
Date
1896-08-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 beginnen auf's neue den wilden Krieg der einzelnen Geschlechter gegeneinander, vernichten uns, wenn wir nicht denselben Tonfall nnd dieselbe Haarfarbe habe»! Die Bestrebungen der Zivilisation wurzeln ja gerade darin, dieses Verlangen, sich auf seinen Nebenmenschen zu stürzen, weil er uns nicht ganz ähnlich ist, auszurotten. Im Laufe der Jahrhunderte bildet die Geschichte der Volker nur eine Lehre gegenseitiger Toleranz, so daß der Endtranm darin bestehen wird, sie alle zur Brüderlichkeit zurückzuführen, sie mit einer alle gemeinsamen Zärtlichkeit zu erfüllen und sie alle so viel wie möglich vor depl gemeinsamen Schmerze zu bewahren. Und doch beginnt der Haß und die Verfolgung, weil man nicht genau denselben Schädelbau hat, sich zur ungeheuerlichsten aller Thorheiten auszuwachfen. Ich komme jetzt zur ernsthaften Seite der Sache, die hauptsächlich sozialer Natur ist, und resümire die Anklagepunkte dieses Prozesses. Die Juden werden angeklagt, ein Volk im Volke zu bilden, und ein für sich abgeschlossenes Religiovsleben zu führen; sie wären demnach eine Art internationale Sekte ohne wirkliches Vaterland, die an dem Tage, da der Triumph ihr winkt, wohl im Stande wäre, sich der ganzen Welt zu bemächtigen. Die Juden heirathen untereinander, bewahren trotz aller modernen Freiheit ein sehr enges Familienband, unterstützen und ermutigen sich gegenseitig, und zeigen trotz ihrer isolierten Stellung eine außerordentliche Kraft des Widerstandes. Doch vor Allem sind sie klug und praktisch, sie tragen in ihrem Blut ein Verlangen nach Gewinn, eine Liebe zum Geld, einen wunderbaren Geschäftsgeist, der ihnen in weniger als hundert Jahren ungeheuere Reichtümer verschafft hat, die ihnen in einer Zeit, da das Geld die Königsrolle spielt, die Herrschaft sichert. Das Alles niag wahr sein. Aber wenn man die Thatsache feststellt, »inß man sie auch erklären. Man muß hinzufügen, daß die Juden, wie sie heut sind, unser Werk sind, das Werk einer unsinnigen, achtzehn Jahrhunderte langen Verfolgung. Man hat sie in enge Viertel eingepfercht, wie Aussätzige, und es ist kein Wunder, daß sie für sich gelebt, all' ihre Traditionen bewahrt, die Familienbande noch inniger geschlossen nnd aus Besiegten zu Siegern sich entwickelt habe». Hämisch und feindselig hat man ihnen die Domaine des Geldes überlassen, die man verachtete, man machte sie zu Schacherern und Wucherern*, und es ist nicht zu verwundern, daß man sie, als die Herrschaft der brutalen Kraft der Herrschaft der Intelligenz und der Arbeit Platz machte, als Herren des Kapitales gefunden hat. Nnd heute seid Ihr entsetzt vor diesem Werke der Verblendung, Ihr zittert, wenn Ihr seht, was die Wuth des Mittelalter'? aus den Juden gemacht und wißt nichts Besseres als zum Jahre 1000 znrückzukehren, die Verfolgungen wieder aufzunehmen, von Neuem den Kreuzzug zu predigen, damit die Juden vernichtet, - geplündert, in Stücke zerrissen werde»! Ihr seid wahrhaftig sehr intelligente Leute und habt eine hübsche soziale Auffassung!

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