Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1896)
- Date
- 1896-07-01
- Page
- Seite 162 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Ausdruck gefunden haben. Wir dürfen nicht achtlos an dieser Erscheinung auf den Universitäten unseres Nachbarstaates vorübergehen. Einerseits können wir nicht umhin, die Hingebung und den Jdealismns zu bewundern, welche diese jungen Leute an den Tag legen, andererseits ist zu befürchten, daß ihre Ideen auch auf deutschen Universitäten Eingang finden, da auch hier, wenn die Verhältnisse auch nicht so zugespitzt sind, wie in Oesterreich, doch Ansätze zu einer ähnlichen Bewegung vorhanden sind. — Die geistigen Führer der zionistischen Bewegung in Deutschland, Herr vr. Heinrich Löwe intb Willy Bambus in Berlin, welche jüngst eine Palästina-Reise unternommen haben, um sich an Ort and Stelle über den Stand der Kolonisation zu unterrichten, haben ihr Hauptaugenmerk doch auf den inneren Zionismus gerichtet. Sie lassen es an Versammlungen der von ihnen ins Leben gerufenen Vereine nicht fehlen, in welchen im großen und ganzen derselbe Geist herrscht, wie in Oesterreich, und sie würden es gewiß gerne sehen, wenn die jüdische studierende Jugend in Deutschland zu den Ansichten der nationaljüdischen Studenten im Nachbarstaate bekehrt würde. — Man hört ja im allgemeinen wenig von der zionistischeil Bewegung in Deutschland. Die deutschen Zionisten bilden noch eine kleine, aber rührige Partei. Es wäre eine falsche Politik, diese Bestrebungen geistvoller junger orthodoxer Schwärmer zu unterschätzen. Niemand weiß, was die Zukunft bringt. Es können auch in Deutschland einmal Verhältnisse eintreten wie die jetzigen in Wien, oder andere Umstände, welche die Bestrebungen der Zionisten fördern würden. Man hat auch anfangs über die Vorkämpfer des Biinetallismus gelacht — heute lacht man nicht mehr über sie, weil sie in zielbewußtein Vorgehen sich zahlreiche und einflußreiche Anhänger erworben haben. Gerade so kann es auch mit den Zionisten werden. Zielbewußt sind sie — das muß man ihnen lassen — während die Majorität der deutschen Juden durch ihre Lauheit ihnen in die Hände arbeitet. M. H.! Es bleibt uns zum Schlüsse noch übrig, die zionistische Bewegung kritisch zu betrachten. Was die Kolonisation Palästinas durch osteuropäische Juden betrifft, so verdient dieselbe unsere volle Sympathie. Es wäre mit Freuden zu begrüßen, wenn auf diese Weise die soziale Frage bei den Juden Osteuropas gelöst werden könnte. Ob es aber so weit kommen 'wird, ist fraglich. Wie selbst Herr Willy Bambus zngesteht, stößt die Erwerbung von Grundeigentum im Westjordanland auf Schwierigkeiten, auch ist ein Teil desselben schlechtes Felsen¬ oder Wüstenland. Es wird deshalb das Ostjordanland zur Kolonisierung empfohlen, weil hier guter Weizenboden und wegen der Nähe der Eisenbahn nach Damaskus ein einheimischer Markt für Ackerbauprodukte vorhanden sei. Es ist jedoch die Frage, ob eine Kolonisirung des ganzen Ostjvrdanlandes ohne eine blutige Auseinandersetzung mit den Bewohnern des Haurän möglich ist. Wie die Verhältnisse liegen, wenn man den zur Verfügung stehenden Flächenraum berücksichtigt, und wenn man nach den bisherigen Fortschritten der Kolonisation, an ver