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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-07-01 · Heft 7 (1.7.1896) · p. Seite 161

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 7 (1.7.1896)
Date
1896-07-01
Page
Seite 161 (sequence 17)
Language
German
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161 imposanter Weise das 25. Semester des jüdisch-akademischen Vereins „Kadimah" gefeiert. Es war ein schönes, würdiges, von vielen hundert Personen besuchtes Fest. Man hätte es vor zwölf Jahren, als elf Studenten den Verein unter der Patronanz Smolensky's gründeten, kaum zu hoffen gewagt, daß alsbald ein so mächtiger Kreis sich um die „Kadimah" schaaren, vier andere jüdische Vereine aus ihr hervorgehen und zu ihren Festen — horribile clictu — Knltusvorsteher kommen werden. Leider hat das Fest dadurch einen unangenehmen Beigeschmack erhalten, daß die jetzigen „Kadimahner", welche iin Gegensätze zu ihren ernsten Vorgängern sich in allerlei studentischem Firlefanz gefallen und die kostbare Zeit, anstatt zu studieren, mit Paukereien vertrödeln, jetzt Farben angelegt haben. Zu diesem Zweck wurde rotgold-violett als „jiidische" Farbe zusammengebraut. Im Mittelpunkte des schönen Festes stand der als Gast erschienene Herr vr. Theodor Herzl, welcher seit der Veröffentlichung seiner Broschüre: „Der Judeustaat" zu einem Brennpunkte unseres jüdisch-nationalen Lebens geworden ist. vr. Herzl hielt auch eine kurze Ansprache, in der er sich als Zionist bekannte und bemerkte, es durch seinen Sohn geworden zu sein, der jetzt im Alter von — 4Va Jahren steht. Der Applaus wollte kein Ende nehmen; die Rede wirkte, wenn auch schüchtern vorgetragen, ungeheuer enthusiastisch. Dr. Herzl, welcher trotz seiner Stellung als Feuilleton-Redakteur der „Neuen Freien Presse" und Nachfolger des berühmten Theater-Rezensenten Lildwig Speidel sich so exponiert, bedeutet für die von ihm vertretene Sache eine ungeheure Acguisition." M. H.! Ich könnte noch eine Reihe anderer Berichte hier anfügen über Komnierse und Vorträge in den verschiedenen jüdisch-nationalen Studenten-Verbindungen. Ich will mich auf Namen beschränken. In Prag giebt es einen Verein „Maccabaea", in Wien u. a. eine „Gamala" und „Unitas". Letztere hat bei Eröffnung ihres dritten Semesters zu Beginn des Winters durch Anschlag in der Aula der Universität folgenden charakteristischen Aufruf erlassen: „Jüdische Commilitonen!" Unsere Verbindung tritt in ein neues Semester ihres Bestandes. Laut 8 2 ihrer Statuten beziveckt sie die Hebung des jüdischnationalen Bewußtseins und die Pstege der nationalen Geschichte und Litteratur. Demgemäß fordert die Verbindung von ihren Mitgliedern freies und stolzes Einbekennen ihrer Abstammung, mannhaftes Eintreten für die bedrohten Interessen des jüdischen Volkes u. s. w. ..." Der Aufruf schließt: „Jüdische Commilitonen! Wer von Euch sich ein Herz bewahrt hat, rein vom Pessimismus unserer Tage» frei von gestalt- und körperlichen Zukunftsträumen, der schließe sich uns an, der stelle Herz und Geist in den Dienst des bedrängten jüdischen Volkes! . . Es giebt selbstverständlich noch eine Menge nicht-akademischer Vereine, welche national-jüdische Ziele verfolgen, zum Teil politische, zum Teil litterarischgesellige. Ich habe mich auf ein kurzes Stimmungsbild aus den akademischen Vereinen beschränkt, weil hier die Ideen des inneren Zionismus ihren klassischen

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