Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1896)
- Date
- 1896-07-01
- Page
- Seite 159 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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159 tümlichkeiten, der jüdischen „Kultur", sprechfertige Kenntnis der hebräischen Sprache, Schaffung, resp. Begünstigung der neuhebräischen Litteratnr, Gewinnung der Jugend für die national-jüdische Idee. In Berlin ivird letzteres von zwei Vereinen „Jung Israel" und „Judas Tochter" besorgt. Auch die jüdischen Studenten- Verbindungen, zum Teil mit nationaler Färbung, welche bereits an mehreren deutschen Universitäten sich anfgethan haben, bilden einen günstigen Nährboden für die national-jüdische Bewegung. Das Hauptarbeitsfeld der inneren Mission ist jedoch nicht Deutschland', sondern Österreich. Daß der innere Zionismus dort ans fruchtbaren Boden fällt, das liegt vor allen Dingen an den eigentümlichen politischen Verhältnissen des Kaiserstaates. Einerseits besteht ja schon seit längerer Zeit in gewissen Bezirken Galiziens das Judentum als besondere politische Partei, wenn auch nicht an einer äußeren Organisation sichtbar, andererseits werden durch die jüngsten Wiener Ereignisse auch die Juden in Deutsch-Oesterreich gezwungen, sich bei den Wahlen znsammenzuthun. Der österreichische Abgeordnete Bloch setzt in einem Artikel, betitelt: „Die politische Stellung des Judentums" auseinander, daß aus den Verhältnissen mit unerbittlicher Logik folge, daß wir Juden uns als politische Partei vrganisiren müssen. Man solle in Galizien und Wien, wo es nur irgend möglich, versuchen, jüdische Kandidaten von jüdischen Wählern in die Parlamente entsenden zu lassen. — In Galizien ist der Gedanke des Reichsratsabgeordneten durchführbar, in Wien bleibt er wahrscheinlich eine Utopie. Aber die Verhältnisse in der österreichischen Hauptstadt haben bereits einen so peinlichen, unerquicklichen Charakter angenommen, daß die Alten schon anfangen, die Besinnung zu verlieren und Programme aufstellen, wie sie der jugendlichste national-jüdische Schwärmer nicht utopistischer anfstellen kann. Dies beweist das Ihnen bereits vorgeführte Beispiel des Dr. Herzl. Und nun erst die Jugend! Wenn man einem alten Achtundvierziger gesagt hätte, daß sich in 50 Jahren national-jüdische Studenten- Berbindnngen, akademische national-jüdische Turn- und Gesang-Vereine an österreichischen Universitäten bilden würden, was hätte er wohl geantwortet? Und doch ist dem so. Solche Vereine, genau nach den Jahrhunderte alten Grundsätzen der bereits bestehenden deutschen Studenten Verbindungen aufgebaut, giebt es an allen österreichischen Universitäten. Unsere großen Tagesblätter schweigen sich ja über derartige Dinge aus; nur manchmal kommt ein kurzer Bericht über irgend einen skandalösen Auftritt, wie z. B. der jüngst anläßlich der Reibungen zwischen antisemitischen und jüdischen Studenten in unserer größten süddeutschen Zeitung erschienene, der dann grell wie ein Blitz den Abgrund beleuchtet, vor dem wir stehen — dann ist es wieder für Monate hindurch dunkle Nacht. M. H. Welcher Geist gegenwärtig bei der österreichischen Studentenschaft vorherrschend ist, das sieht man am besten ans den Berichten über die Zusammenkünfte der jüdisch-nationalen Stndeuten-Vereine. Es sind das kleine Si-