Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1896)
- Date
- 1896-07-01
- Page
- Seite 158 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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158 einer eventuellen Teilung der Türkei, den Inden Palästina zufallen könnte, ebenso, wie s. Zt. Oesterreich Bosnien und die Herzegowina. Für die Gemäßigten unter den Zionisten bleibt jedoch als leitender Gesichtspunkt der, daß die Zerstreuung nach wie vor bestehen bleibt, daß die Kolonisation nur eine» physischen Rückhalt schaffen soll, ein wirkliches, greifbares Vaterland, nach welchem sich alle die Juden flüchten könne», welche in der einen oder der anderen Weise in der Zerstreuung zu leiden haben. Hierbei denkt man in erster Linie an die Juden im Osten Europas. Und hiermit sind wir bei dem praktischen, sozialen Gesichtspunkte angelangt. Man will den sozial und ökonomisch furchtbar bedrängten Juden die Möglichkeit verschaffen, in Palästina Grund und Boden zur Bearbeitung zu erwerben oder wenigstens Beschäftigung beim Ackerbau zu finden- Dieser Teil des Programms der Zionisten bewegt sich auf dem Boden der Wirklichkeit. Hier wird angeknüpft an das, was bereits durch Sir Moses Montefiore und die Alliance Israelite in einem halben Jahrhundert geschaffen und in neuester Zeit durch Baron Edmond von Rothschild fortgesetzt worden ist. M. H. Daß diese äußere Mission auch ans nicht orthodoxer Seite ntvpistische Anhänger gefunden hat, das beweist u. A. das kürzlich erschienene Herzl'sche Buch: „Der Jndenstaat", sowie ein offener Brief des englischen Malers Holman Huilt, welchen dieser noch vor dein Erscheinen der Herzl'scheil Schrift an die bekannte englische Wochenschrift „Jewish Chroniele“ gerichtet hat. In diesem Briefe sagt Hunt: „Das heilige Land ist die rechtmäßige Erbschaft Israels und an Israel soll es noch einmal heimfallen. Aber diese Rückkehr der Erbschaft zu Israel ist nicht nur im Interesse der Juden, sondern der ganzen Welt wünschenswert. Die Übertragung Palästinas von den Türken an die Juden, durch Kauf oder durch Geschenk, würde nicht nur die Judenfrage lösen, sondern auch ein politisches Problem aus der Welt schaffen, zum offenbaren Vorteil des Weltfriedens. Der so wieder auflebende jüdische Staat müßte ein Muster - Staatswesen sein. Palästina müßte natürlich aus dem Sumpfe der Verzweiflung gezogen werden, in welchem es Jahrhunderte lang festgehalten wurde. Die Vernachlässigung und Unordnung, die dein Lande so manches physisch fühlbare Unglück gebracht haben, müßten verschwinden. Gute Wege, reichliches Wasser, wirksame Bebauung des Bodens würden die Oberfläche des Landes wie durch einen Zauber verändern. Aber außerdem müßte jüdische Staatskraft für andere Nationen ein Musterbestpiel sein. Seine Gesetze, strikt gehandhabte Justiz, wahre Freiheit, vollständiger Friede müßten Palästina zu einem idealen Staate mache». M. H.! Während der Zionismus in der äußeren Mission der Hauptsache nach eine den russischen Juden zu gut kommende Thütigkeit entfaltet, zeigt er die agitatorische, das Verhältnis der Juden zu den Staatsgebilden, in denen sie leben, vollständig nmgestaltende Seite in der inneren Mission. Hier wird erstrebt: Festes Zusammenhalten der Inden als Stamm, Erhaltung der jüdischen Eigen-