Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1896)
- Date
- 1896-07-01
- Page
- Seite 157 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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157 möchte, aber wir fühlen uns überall als die Söhne des jüdischen Stammes, der überall in gleicher Weise verfolgt wird. Wir sehen ferner in der Judenheit nicht nur eine Religionsgemeinschaft, sondern auch einen durch die Bande des Blutes geeinigten jüdischen Vvlksstamm und glauben, daß es znm mindesten ebenso anständig und recht ist, jüdisch-national wie etwa wendisch-, polnisch- oder litthanischnational zu sein. — Als Juden wollen wir die Erhaltung des Judentums und seiner Kultur, wir wollen, daß die jüdische Eigenart nicht vernichtet werde, welche die Bibel geschaffen, und auf deren Schultern ein großer und wesentlicher Teil der modernen Kultur beruht. Indem sich das Judentum in seine eigene Kultur vertieft, ist es am allermeisten in der Lage, zu der Gesammtentwicklung der Kulturmenschheit beizutragen. Darum, und weil es die Pflicht jedes auf Bildung Anspruch machenden Menschen ist, die Geschichte und Vergangenheit seines eigenen Stammes zu kennen, verlangt die zionistische Partei das eingehendste Wissen der Jüdischen Geschichte und Litteratnr! Indem die Zionistische Partei ferner in Erwägung zieht, daß eine Beschäftigung mit der jüdischen Litteratur nur dem des Hebräischen Kundigen möglich ist, daß ebenso wie die ältesten Denkmale unserer Kultur in der hebräischen Mundart uns überliefert sind, so auch heute wieder eine neue, hebräische Litcraturblüte dem Jüdischen Volke zu Teil wurde, und daß es endlich eines geistig so hoch stehenden Volkes wie des Jüdischen, unwürdig ist, seine eigene Sprache nicht zu kennen, verlangt die Zionistische Partei die eingehendste Beschäftigung mit der hebräischen Sprache! Die Zionistische Partei ist aber nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine soziale Partei! Indem sie einerseits die „Erhaltung altjüdischer Moral und Sitte" verlangt, sucht sie andererseits die wirtschaftlich-sociale Gesundung des jüdischen Volksstammes zu bewirken. Indem sie iveiß, daß dem Judentume ein Bauernstand geschaffen werden muß, daß dies Hand in Hand gehen muß mit der Gründung einer Zuflucht und einer Heimat für verfolgte und vertriebene Brüder, verlangt die Zionistische Partei die Schaffung eines Jüdischen Bauernstandes durch Kolonisation Palästinas." — Sie sehen, diese Bewegung zerfällt in zwei Teile, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf — in eine innere und äußere Mission. Wenden wir uns zunächst der äußere» Mission zu, welche ja auch dieser ganzen Bewegung den Namen gegeben hat. Diese äußere Mission erblickt also ihre Hauptaufgabe in der Kolvnisaiiou Palästinas durch europäische Juden. Durch diese Kolonisation soll zugleich ei» ideales und auch ein praktisch soziales Problem gelöst werden. Das ideale Ziel der Zionisten ist: Schaffung eines sogenannten Vaterlandes für die über den Globus Zerstreuten. Dieses ideale Ziel denken sie sich in einer nicht allzufernen Zeit erreichbar, indem sie die stille Hoffnung hegen, die hohe Pforte werde gerne die Oberhoheit über einen durch die Kolonisation allmälich entstehenden jüdischen Vasallenstaat übernehmen. Andere noch extremere und sanguinischere Zionisten denken sich, daß bei Lösung der orientalischen Frage, d. h. bei