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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-07-01 · Heft 7 (1.7.1896) · p. Seite 156

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 7 (1.7.1896)
Date
1896-07-01
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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156 M. H.! Wir stehen noch mitten in diesem Kampfe. Sie alle wissen, wie die Juden politisch, ökonomisch und gesellschaftlich bekämpft, geschädigt und herabgedrückt werden. Man befehdet uns als Rasse — wobei die Freveltaten aller Männer jüdischen Stamines, ob getauft oder ungetanst, ob wirklich oder nur dem Namen nach Juden, in unser Schuldkonto gebucht werden. M. H. Druck erzeugt Gegendruck! Wenn auf der einen Seite Selbstverachtung und Fahnenflucht um sich gegriffen hat, so konnte es doch nicht ausbleiben, daß, weil wir als Nation bekämpft iverden, auf der anderen Seite, bei einem anderen Teile der Bekämpften der Gedanke der nationalen Zusammengehörigkeit aller Inden wieder Wurzel faßte. Der klassischste Ausdruck dieses Jdeenganges — und zugleich der utopistischste — ist die zionistische Bewegung. Ob diese Bewegung uns, die wir in den Bahnen des Fortschritts wandeln, willkommen ist, kommt nicht in Frage. Daß sie aus den gegebenen Verhältnissen heraus erwachsen, also berechtigt ist, darüber kann kein Zweifel bestehen. Es bleibt uns nur noch übrig, sie mit kritischem Auge als eine Erscheinung der Gegenwart zu betrachte». Was ist der Zionismus? Was will er? Am prägnantesten ist sein Programm ausgedrückt in einem Flugblatt der in Berlin erscheinenden „Jüdischen Volkszeitnng". Dasselbe ist überschrieben: „Unsere Zukunft!" und lautet folgendermaßen: „Wenn man sieht, wie angesichts der sich erneuernden Angriffe gegen das jüdische Volk, dieses anstatt sich gegenüber der drohenden Gefahr enger zttiammenzuschließen, scheinbar die Tendenz zeigt, sich allmählich anfzulösen, so muß man mit Recht die Frage aufwerfen, was geschehen kann und soll, um dem drohenden Zerfall entgegenznarbeiten und zur Erhaltung des Judentums Alles zu thnn, was in unseren Kräften steht. Keine Partei im Judentum hat es bisher verstanden, wirksam dem Verfall entgegenzutreten, weil diese Parteien nur für die Gegenwart kämpfen. Das ist der große Fehler, den alle heutigen Parteien und Richtungen sich haben zu Schulden kommen lassen. Die zionistische Partei einzig und allein kämpft mit allen moralischen Mitteln dafür, daß das Judentum auch eine Zukunft haben soll! Denn darin liegt das große Geheimnis des Judentums, daß es selbst in den allertrübsten Zeiten an seiner Zukunft nicht verzweifelt hat, daß es sich stets bewußt war und blieb, daß noch eine Zeit kommen müßte, in der es als Volk wieder zu Ehren käme! Darum wehrt es sich und muß es sich mit allen Kräften wehren, durch das Aufgehen in andere Völker zu Grunde zu gehen. Indem nun die zionistische Partei für die Erhaltung und Zukunft des Judentums kämpft, zieht sie alle diejenigen Mittel in Erwägung, die zugleich sittlich und zweckentsprechend sind, und sieht das erste und wirksamste Mittel zu dauernder Erhaltung und Rettung des jüdischen Volkes in der unzerstörbaren Einheit der Gesammtjudeuheit, Einheit nach innen und Einigkeit nach außen. So wenig wie die Deutschen in Oesterreich oder in Kurland bilden wir etwa einen Staat im Staate, wie man uns undichten

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