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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-07-01 · Heft 7 (1.7.1896) · p. Seite 155

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 7 (1.7.1896)
Date
1896-07-01
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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155 zu machen, denn das Maß unserer Leiden wird erst dann voll sein, wenn sich die Verheißung bewährt: Die Erde wird voll werden der Erkenntnis des Höchsten, wie die Gewässer die Meerestiefe bedecken. Die zionistische Aervegung. Ans einem Vorträge, gehalten am 16. März 1896 im „Freisinnigen Vereine" zu Frankfurt a. M. von I)r. Gustav Weinberg. Wenn es jemals lehrreich gewesen ist, in dem „Buche der Bücher" zu blättern, so ist diese Lektüre in der heutigen Zeit doppelt belehrend. Wir stoßen da auf Stellen, in denen vvransahnend das künftige furchtbare Loos Israels geschildert wird — mit einer Klarheit, daß es uns beiin Lesen heiß und kalt über den Rücken läuft. Da heißt es z. B. einmal (I. B. d. Könige 9,7 ): „Du wirst zum Gespötte der Völker werden" — ein andermal (3. B Mosis 26,17): „Du wirst fliehen, wo kein Verfolgen ist". — Ich erwähne diese beiden Stellen, weil sie meiner Ansicht nach charakteristisch sind für das Schicksal unseres Stammes. Daß die Pfade, die derselbe gewandelt, ein Weg waren — benetzt von Blut und Thränen — das ist es nicht allein, was unser Loos von je so unerträglich gemacht hat. — Nein! Das Leid des jüdischen Stammes beruht vor allen Dingen darauf, daß man den Inden verachtet, daß der Name „jüdisch" bei allen gebildeten Völkern gleichbedeutend ist mit unedel und noch schlimmerem. — Diese Verachtung und diese Verspottung alles Jüdischen erstreckt sich sogar auf die jüdischen Name». Kein deutscher Jude unserer Zeit — selbst die Orthodoxen nicht — wagt mehr, seinen Kindern biblische Namen zu geben. Aus dein Samuel wird ein Siegfried, ans dem Salomo ein Siegmund. Die Folgen dieses Gebahrens gegen alles Jüdische waren natürlich die, daß der Jude furchtsam und unsicher wurde. Er flieht, >vo kein Verfolgen ist ja noch mehr, er mißt sich schließlich mit demselben Maßstabe, mit dem ihn die Völker messen und verachtet alles Jüdische. Solche Zustände führen dann zu einer Fahnenflucht, wie wir sie in unserer Zeit trauernden Herzens mitansehen müssen. Männer, die sich auf ökonomischem oder geistigen Gebiete eine Stellung errungen haben oder zn erringen gedenken, wenden dem Judentum den Rücken. Dieser Verlust ist quantitativ und qualitativ für uns empfindlich und macht sich auch in anderer Weise noch fühlbar. Z. B. die große Geschicklichkeit und Intelligenz, welche den preußischen Adel auszeichnet, ist doch wohl teilweise auf die Mischung mit jüdischem Blute znrückzuführeil, welche dieser Adel in einer früheren Generation erfahren hat. Wozu wird diese Gewandtheit und Intelligenz benützt? Zum offenen und heimlichen Kampfe gegen die Juden!

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