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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-07-01 · Heft 7 (1.7.1896) · p. Seite 153

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 7 (1.7.1896)
Date
1896-07-01
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
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153 Durch Übertragungen der Werke griechischer,Philosophen und Naturforscher in's Arabische und durch Übersetzungen philosophischer und medizinischer Werke der arabischen Denker und Gelehrten ins Lateinische vermittelten sie dem Abendlande die Kenntnis des klassischen Altertums sowohl, als auch der Philosophie, Natur- und Heilkunde der Mauren und trugen durch diese Vorarbeiten wesentlich bei zur Renaissance, zur Wiederbelebung der Wissenschaften in Europa, zum Auftreten des Humanismus im 15. Jahrhunderte. Und noch von einer andern Seite zeigte sich diese jüdisch-spanische Schule fördernd und aufklärend, indem sie nämlich einem der größten Denker, die aus dem Schoße des Judentums hervorgegangen sind, Anregung zu seinen epochalen Schöpfungen gab. Spinoza, von Jbn-Esra augeregt, legt mit seinen theologischpolitischen Traktaten den Grund zu einer rationellen Bibelforschnug und wird der Apostel der Gewissensfreiheit. Von Maimonides und der Kabala befruchtet, erscheint er mit seiner „Ethica more geometrica clemonstrata“ als Einfnhrer der mathematischen Untersnchungsmethode auf dem Gebiete der Methaphysik und als einer der Hanptbegründer der modernen Philosophie. Auch die. Anfklärnngsströmung des 18. Jahrhunderts, die von dem bibelfreundlichen puritanischen England über Frankreich nach Deutschland hinüberkam und hier Männer wie Herder und Lessing zeitigte, stand mit ihrem reinen Deismus, mit ihrem ganzeil Denken und Fühlen dem Judentume sehr nahe und machte auch aus ihren Sympathien für den Lehrgehalt des alten Testamentes im Gegensätze zum neuen durchaus kein Hehl. Und nicht mit Unrecht nennt Renan die Propheten die ersten echten Sozialisten! *) Diese Propheten, die das Unrecht verabscheuten, die für jede Art von Bedrückung, Ausbeutung und Knechtung flaminende Worte der Verdammung hatten, die mit dem ganzen Feuereifer ihrer großen Seelen für die unbedingte Rechtsuud die möglichste Besitzgleichheit eintraten, sie, die als praktisches Mittel zur Ausgleichung der Besitzverschiebungen das Jubeljahr einsetzten, von welchem es heißt: Rufet Freiheit aus im ganzen Lande, für alle seine Bewohner, daß jeder zn seinem Eigentume zurückkehre, jeder zu seinem Geschlechte — diese Männer haben vor drei' Jahrtausenden die sozialistische Idee in die Welt gesetzt und ihre Epigonen sind die Marx, Lassalle und wie sie alle heißen, welche diesen Funken zur brennenden Frage angefacht haben. So sehen wir das Judentum durch den ganzen Verlauf seiner Geschichte an der Werkstatt der Hnmanität stehen, eifrig, mutig und unverdrossen an der Verwirklichung seiner Ideale: Wahrheit und Friede; Einheit als Weltprinzip und Einigkeit als Lebensnorm, arbeiten. Und nicht ganz ohne Erfolg. *‘) Kenan, histoire du peuple d. IsraÖl, tome I. p. 3 et torae III. p. 226.

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