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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-07-01 · Heft 7 (1.7.1896) · p. Seite 152

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 7 (1.7.1896)
Date
1896-07-01
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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152 Die Reformation, die Entstehung des Protestantismus, ist ein Werk, eine That, im Geiste des Judentums und bedeutet einen erheblichen Schritt nach vorwärts, zur Wahrheit, eine teilweise Umkehr zum alten Bunde. Je mehr eiue Sekte sich vom Dogma, vom Mysterium entfernt, desto näher kommt sie der Urquelle, desto mehr kehrt sie zur jüdischen Lehre zurück. Eine Folge der Reformation war es auch, daß christliche Gelehrte sich immer mehr auf das Studium der häbräischeu Sprache verlegten und an der Hand jüdischer Sprachforscher und Komentatoren, wie Raschi, Eben Esra und Kimchi immer tiefer in das Verständnis unserer Schriften eindrangen und von ihrem Geiste befruchtet wurden. Eine ähnliche Umwälzung, wie das Judentum im Abendlande durch den Anstoß zum Christentum hervorgebracht, erzeugte es sieben Jahrhunderte später im Orient durch die Anregung zum Islam, zur Begründung der mohammedanischen Religion. . Mohammed hat bekanntlich mit jüdischen Gelehrten viel verkehrt und wurde durch sie mit der Bibel und dem hagadischen Teile des Talmud vertraut gemacht. Dies regte in ihm den Gedanken an, seine Stammesgenvssen dem Heidentum zu entreißen und dem Monotheisums zuzuführen- Mohammed — sagt Renan — war zu einer bestimmten Zeit seines Lebens Jude und man kann behaupten, er ist es gewissermaßen zeitlebens geblieben. Der Koran ist durchtränkt von jüdischem Geiste. „Mohammed hat den jüdischen Gedanken mit dem ganzen Strom seiner Traditionen und Formen dem Verstände und der Gemütsrichtnng der Araber angepaßt, er hat das Judentum arabisirt," *) Und im Vereine mit diesen judaisirten Arabern, mit den Mauren auf der pyrenäischen Halbinsel arbeiten die Juden im Mittelalter fleißig daran, der Welt die Wissenschaften zu erhalten. Das ist einer der größten Dienste, den das Judentum der Menschheit erwies. Währenddem daß fast ganz Europa in tiefster Dunkelheit liegt, mit dem Rufe: „Gott will es", Kreuzzüge unternimmt und Tausende unschuldiger Familie» iu den Tod jagt, währenddem täuschende Wunder und lügenhafte Reliquien die Themata bilden, über die fast der ganze Occident verhandelt, währenddem die Christenheit im Joche eines grenzenlosen Aberglaubens in Todesstarre versunken ist und alle Liebe zur Untersuchung, alles Forschen nach Wahrheit aufgegeben scheint, beharrte» die Juden auf dem Pfade des Wissens, forschten und arbeiteten sie eifrig an dem Ausbau der Wissenschaft. Wir sehen unter ihnen eine ganze Legion tiefsinniger Denker, tüchtiger Mediziner und Naturforscher und was das wichtigste ist, sie sind dann die Hauptdolmetscher griechischer und arabischer Wissenschaft für Europa. **) *) S. Cassel in Erisch und Gruber's Encyclopädie, Art. Jude». *) Lecky, Geschichte des Ursprunges der Aufklärung in Europa. S. 233.

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