Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1896)
- Date
- 1896-07-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Frieden! Das Judentum wendet sich somit an den Geist und an das Herz des Menschen. Die Grnndlehre, die es verkündet ist: Die Einheit Gottes, des höchsten Weltprinzipes, die Gesetzlichkeit in der Natur und im Menschenleben, die Einheit aller Kräfte, aller Geister. Es fordert zweitens: den Frieden, den Frieden des Menschen mit seinem Innern, mit seinem Mitmenscheir und in letzter Konsequenz den Weltfrieden. In diesen zwei Worten: Monotheismus und Messianismus ist die Tendenz des Judentums enthalten. Diesen Ideen sollte es zum Durchbruche, zum Siege verhelfen, der Verheissung gemäß: Du wirst die Fackel der Zivilisation der Menschheit vorantragen! Sehen wir nun an der Hand der Geschichte, wann und in welcher Weise Israel diesen Geist in die Welt getragen hat. Wir können zu diesem Behufe unsere Geschichte in drei Epochen einteilen: 1. in die biblische Zeit bis zur Rückkehr ans dem babylonischen Exyl; 2. in die talmndisch-neuplatonische Zeit und 3. in die Zeit der Diaspora. Während der ersten Epoche des jüdischen Nationallebei's konnte natürlich die Influenz, die Einwirkung des Judentums auf das nichtjüdische Element nur eine sehr geringe sein. Das Judentum bereitete sich damals erst für seine hohe Mission vor, sein Schrifttum war in der Bildung begriffen. Es ist die Zeit, tu welcher die zur Reinheit sich herausbildende Gottes- und Menschheits - Idee den Gährnngs- und Läuterungs-Prozeß im Schoße des Volkes dnrchgemacht hat. Nichts destoweniger blieb diese gewaltige Geistesarbeit, an welcher die Propheten ihren Löwenantheil hatten, schon damals nicht auf Israel allein beschränkt, nicht ohne Einfluß aus die in und um Kanaan wohnenden Völkerstämme. Tie neu anfgegangcne Sonne sandte durch das dicke Gewölk des asiatischen Heidentums ihre Strahlen hin nach allen Richtungen und die gottbegeislertcn Seher Israels richteten ihre feuersprühenden Reden nicht nur an ihren eigenen Stamm, sondern auch an die Nachbarvölker Palästinas. Durch das babylonische Exil und die spätere Perserherrschaft kamen die Inden mit den Babyloniern und Persern in engere Berührung, und auch hier zeigt sich eine wesentliche Wechselwirung, aufklürend und erleuchtend von Seite des Judentums, verdunkelnd und verrohend seitens jener Völkerstümme, wie schon der Talmud richtig benierkt: Die Namen der Engel, wie sie im Buche Daniel Vorkommen, haben sie der babylonischen Mythologie entlehnt und so ein fremdes Reis ihrem Stamme anfgepfropft *). *) Maspero, histoire aucienne des peuples de 1'Orient.