Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1896)
- Date
- 1896-06-01
- Page
- Seite 135 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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135 sammlnng israelitischer»Religionslehrer Anhalts verlief für alle Teilnehmerin überaus anregender Weise; denn durch Vorträge und durch Austausch pädagogischer Erfahrungen empfingen die Besucher eine Fülle von Anregungen, die den Religionsschulen Anhalts nur vorteilhaft sein können. Vor Eintritt in die Tagesordnung hielt Herr Kantor Horwitz-Dessau eine Lehrprobe über die „Teilung des Reiches" mit Kindern der Mittelstufe. Nachdem er die vorangegangencn geschichtlichen Ereignisse wiederholt und die Thatsachen erzählte, entwickelte er die verhängnißvollen Folgen der Teilung für Rechabeam und stellte die ethischen Lehren fest. Herr Dr. Seligkowitz-Cöthen hielt einen Vortrag über „Erziehungswesen in Bibel und Talmud." Nachdem der Herr Referent die Erziehungsprinzipien der Völker des Altertums namentlich der Griechen und Römer skizzirte, besprach er den Erziehungszweck des israelitischen Volkes, das zu einem freien Volke, zum Träger des göttlichen Willens herangebildet werden mußte; deshalb bildet die religiöse Erziehung das einzige Ziel. Im ersten Reiche sei von Elementarschulen nichts zu finden, dagegen hat es höhere Schulen — Prophetenschulen — gegeben, in denen nicht nur Beredsamkeit, sondern jedenfalls auch Naturkunde, Staatsgeschichte und desgl. gelehrt worden sei. Während des zweiten Reiches sei viel mehr für die Volksbildung gethan worden. Die Thätigkeit des Synhedriums, die Bemühungen Josua's ben Gamala ittib Simon's den Schetach wurden eingehend gewürdigt und die heilsamen Folgen der zweiten Tempelzerstörung für die Erziehung der Jugend geschildert. Die Nachmittagsstunden wurden durch zwei Referate ausgefüllt. Herr Rose-Gröbzig sprach über „das Gebetübersetzen für die Unterstufe" und Herr Landesrabbiner Dr. Freudenthal legte einen „Lehrplan nebst Erläuterungen für die Religionsschulen der israelitischen Kultusgemeinde in Anhalt" vor, ein pädagogisches Meisterstück, das, wenn auch nur zunächst für die Verhältnisse der Anhaltischen Landgemeinden ausgearbeitet, entschieden den Beifall der israelitischen Lehrerschaft finden dürfte. Da der Lehrplan bereits chie Zustimmung der Landesbehörden erhalten hat, so bildet er fortan die normative Grundlage für den Unterricht in den Gemeinden des Anhaltischen Landesrabbinats. — Man schreibt uns: In der Monatsschau der jüngsten Nummer Ihres Blattes bringen Sie einen Bericht der Lehrerkonferenz Freiburg-Sulzburg, die die Leser dieses Blattes — vorausgesetzt daß dieselben zu dessen Richtung gehören — scheinbar erfreuen kann. Scheinbar aber nur für diejenigen, die der Quelle dieses Berichtes näher stehen. Der Vorsitzende dieser Conferenz nämlich, Herr Rabb. Dr. Lewin in Freiburg, stellte einen Lehrer seines Bezirks vor einigen Jahren in einer öffentlichen Sitzung des Synagogenrats und Bezirksältesten als Verderber der Jugend hin, weit er die Gebete um Rückkehr nach Palästina, Wiedereinsetzung der Opfer in seiner Schule (Gymnasium) als das behandelte, was sie jetzt noch für uns sind. Der Lehrer ließ sich jedoch nicht abschrecken. In