Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1896)
- Date
- 1896-06-01
- Page
- Seite 130 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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130 der profanen Geschichte selbst in unserer Zeit? Ist nicht auch in unseren aufgeklärten Tagen die dichtende Volksseele eifrig bei der Arbeit, das Leben unserer großen Männer mit lieblichen Sagen zu verklären? Wir erinnern nur an eins, an jenen großen Kaiser, dessen plötzlichen Tod in den Fluten das Volk nicht fassen konnte und von dem es deshalb sagte, er sei nicht gestorben, sondern er schlafe nur tief unten im Schoße des Kyffhäusers und harre dort der Stunde, da das deutsche Volk zu neuem Leben ihn erwecke, und als dann vor 25 Jahren die große Zeit hereinbrach, da die zersplitterten deutschen Stämme im. blutigen Kampfe zusammengeschweißt wurden zu einem einigen deutschen Volke, da wurde auch wieder jene alte Sage lebendig, und jubelnd ging der Ruf durch die deutschen Lande: Der alte Kaiser im Kyfshäuser ist vom Schlafe erwacht, und mit machtvoller Hand führt er das Szepter über das geeinte deutsche Reich. Gewiß, wir alle wissen, daß dies eine Sage ist, aber werden wir deshalb mit geringschätzendem Lächeln über sie aburteilen? O nein, wir werden vielmehr in ihr den dichtenden Genius der deutschen Volksseele bewundern, die das Andenken eines edlen Fürsten in dieser Weise zu verklären sucht. Und nicht anders ist es mit den Wundern, von denen die heilige Schrift uns berichtet. Sie sind der liebliche Sagenkranz, mit dem die israelitische Volksseele die Häupter ihrer großen Männer schmückt. Wir erkennen in diesen Wundern die verehrungsvolle Dankbarkeit, mit welcher die glutvolle Phantasie Israels der Bewunderung für die großen Männer der Vorzeit Wort und Ausdruck verlieh. — (Schluß folgt.) Professor Iranz AeMzsch s «. über Dr. S. Waer. Anläßlich des 70. Geburtstages des Herrrn Dr. Baer in Biebrich, hat uns der Herr Verlagsbuchhändler Lehrberger, dessen Vater zuerst die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf das reiche Wissen und den schöpferischen Geist des Jubilars lenkte, einen Auszug aus einem Schriftstücke übergeben, welches zeigt, welche große Bedeutung Professor Delitzsch den Forschungen und Leistungen Baers auf dem Gebiete der Massorach zuerkannte: Herr S, Baer, Lehrer in Biebrich a. Rhein zog vor nun 20 Jahren meine Aufmerksamkeit durch sein ausgezeichnetes Torath Emeth sive doctrina plena perfectaque accentuum Psalmorum Proverbiorum et Jobi (Rödelheim 1852 8) — ein Buch, welchem auch Ewald in seiner Grammatik, (Ausg. 8 Seite 251), das Lob einer „sehr viel Fleiß zeigenden Arbeit" spendet — auf sich. Er lieferte zu meinem Psalmkoinmentare neben anderen textkritischen Beigaben das „Accentnatioussystem“ der drei sogenannten metrischen Bücher, überlieferungsgemäß seinen Gesetzen nach dargestellt" (Band II. 1860 Seite 477—511),