Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1896)
- Date
- 1896-05-01
- Page
- Seite 118 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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118 rufen. Das ist alles faul, vergeblich und unwürdig. Ich begnüge mich, die Juden zu fragen, ob es wahr ist, daß in den Ländern, wo wir in merklicher Anzahl wohnen, die Lage der jüdischen Advokaten, Ärzte, Techniker, Lehrer und Angestellten aller Art immer unerträglicher wird? Ob es wahr, daß unser jüdischer Mittelstand schwer bedroht ist? Ob es wahr, daß gegen unsere Reichen alle Leidenschaften des Pöbels gehetzt werden? Ob es wahr, daß unsere Armen viel härter leiden als jedes andere Proletariat?". . . In dem Kapitel „Gründe des Antisemitismus" heißt es: „Wir hatten uns im Ghetto merkwürdigerweise zu einem Mittelstandsvolk entwickelt und kamen als eine fürchterliche Konkurrenz für den Mittelstand heraus.... die christliche Bourgeoisie wäre wohl nicht abgeneigt, uns dem Sozialismus als Opfer hinzuwerfen. ... Man kann eigentlich nichts Wirksames gegen uns thun. Wie will man das bewegliche Vermögen fassen? Es ruht in bedruckten Papierstücken, die irgendwo in der Welt, vielleicht in christlichen Kassen eingespert sind.... durch diese Unmöglichkeit, den Inden beizukommen, verstärkt und verbittert sich nur der Haß. In den Bevölkerungen wächst der Antisemitismus täglich, stündlich und muß weiter wachsen, weil die Ursachen fortbestehen und nicht behoben werden können.... Wir werden nach unten hin zu Umstürzlern proletarisiert, bilden die Unteroffiziere aller revolutionären Parteien nnd gleichzeitig wächst nach oben unsere furchtbare Geldmacht." ... Aus dem folgenden Abschnitte, welcher von der Wirkung des Antisemitismus handelt, sei folgende Stelle hervorgehoben, weil sie gleichsam das Fundament bildet, auf welches sich der Bau des Judenstaates gründet: „Unser Wohlergehen scheint etwas Aufreizendes zu enthalten, weil die Welt seit vielen Jahrhunderten gewohnt war, in uns die Verächtlichsten unter den Armen zu sehen. Dabei bemerkt man aus Unwissenheit oder aus Engherzigkeit nicht, daß unser Wohlergehen uns als Juden schwächt und unsere Besonderheiten auslöscht. Nur der Druck preßt uns wieder an den alten Stamm, nur der Haß unserer Umgebung macht uns wieder zu Fremden. So sind und bleiben wir denn, ob wir es wollen oder nicht, eine historische Gruppe von erkennbarer Zusammengehörigkeit. Wir sind ein Volk, der Feind macht uns ohne unseren Willen dazu.... In der Bedrängnis stehen wir zusammen und da entdecken wir plötzlich unsere Kraft, einen Staat und zwar einen Musterstaat zu bilden. Wir haben alle mellschlichen und sachlichen Mittel, die dazu nötig sind." Nachdem der Verfasser Ursachen und Folgen des Antisemitismus in drastischer Weise vor Augen geführt hat. kommt er natürlich zu dem Schlüsse, daß der einzige Ausweg aus der unerträglichen Lage der Juden die Bildung eines Judenstaates sei. Wie das geschehen soll, wird in großen Umrissen in dem Abschnitte „der Plan" dargestellt. „Man gebe uns die Sonveränetät eines für unsere gerechten Volksbedürfnisse genügenden Stückes der Erdoberfläche, alles andere werden wir selbst besorgen.".... Als ausführende Organe bei der