Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1896)
- Date
- 1896-05-01
- Page
- Seite 117 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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117 Aber nach talmudischer Lehre hat das Weib eines Rabbi kein Recht auf ihren Mann, der seinem Studium alle Kraft widmen muß. Und der greise Rabbi Aron vergräbt sich ganz in seine Bücher; die Abgeschiedenheit des Gebirges thut ihm wohl, weil dort ihn nichts in der Stimmung des Studiums stört. Sein junges Weib aber sehnt sich nach dem Leben. Sie geht im Sturme hinaus Blumen pflücken, und sie lernt auf der Wiese den christlichen Gutsherrn Akos Dorbay kennen. Noch versteht sie die Regungen ihres Herzens nicht; sie fleht nur ihren Gatten an, mit ihr in die Stadt zu kommen, wo sie Nahrung für Geist und Phantasie fände. Aber das Heiligste für den Rabbi ist das Studium der Lehre; soll er die Ruhe seiner Berge der nichtigen Stadtkultur opfern? Unb um sein Weib ist ihm nicht bange; die Gattin eines Rabbi vergeht sich nicht mit einem Christen. Als aber am Freitag Abend der Rabbi aus der Gebetsstube mit den Gemeindeältesten nach Hause kommt, findet er die festlich geschmückte Tafel, die brennenden Kerzen, aber nicht sein Weib, das mit dem Verführer geflohen ist. Schauerlich tönen die Flüche des Betrogenen durch das Haus. Der Herr, der der Eltern Missethat rächt bis in's vierte Geschlecht, wird auch diesen Frevel sühnen. Dann aber wirkt der Sabbatszauber auf das Gemüt des Gottesgelehrten, er faltet die Hände zum Gebet, und spricht die gewohnten Segenssprüche über das Haus, die Gemeindeältesten und die treue Dienerin. Die Thora hat seither sein Leben ausgefüllt, sie wird es weiter ausfüllen. — Aus Paris wird berichtet: Unter den neu ernannten ausländischen Officiers d’Academie befinden sich der österreichische Componist Richard Mandl, unter den (Meters de l’Instruction publique die ehemalige Opernsänger!» Gabriele Krauß. Meferate und Wittheilungen. Der Judenstaat, Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage, so nennt sich die Broschüre, durch welche Herr Theodor Herzl, Mitarbeiter der „Neuen Freien Presse" in Wien, mehr Aussehen erregt hat, als durch die geistreichsten Feuilletons, die er je geschrieben. Das Buch ist im Ganzen ernst und sachlich gehalten, wenn auch gewisse Flüchtigkeiten den feuilletonistischen Tagesschriftsteller verraten. Eine traurige Empfindung offenbart sich uns schon auf den ersten Seiten der Schrift, nämlich die, daß die Schilderung der Lage der europäischen Juden nur allzuwahr ist — daß hier ausgesprochen wird, was die Ernsten unter uns täglich denken, was sie mit wachsender Sorge erfüllt. Die Prämissen sind also — leider — richtig, ob auch die Schlußfolgerung? Doch hören wir zuerst den Autor selbst: „Ich beabsichtige nicht!" sagt der Verfasser in dem ersten Kapitel des allgemeinen Teiles seiner Broschüre, „eine gerührte Stimmung für uns hervorzu-