Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1896)
- Date
- 1896-05-01
- Page
- Seite 116 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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116 jeunesse de Luther in Paris großen Erfolg gehabt. — Man berichtet aus Paris: Fräulein Brandes und Herr Lettner sind zu Mitgliedern der Comedie Franyaise ernannt worden. — Clermont-Ganneau, Mitglied der Akademie der Inschrift in Paris hat in der Münzsammlung des Louvre ein israelitisches Siegel gesunden. Es hat nur 16 Milliineter im Durchmesser und stammt aus dem sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Die. tief darauf eingeschnittenen phönikischen Zeichen gehören dem alten Alphabet der Israeliten an und bedeuten: „Jehova möge Erbarmen haben. Werk Jehovas." Es ist die Schrift, welche die Juden vor der babylonischen Gefangenschaft gebrauchten. — Es hat in Paris ein Anonymus, der auf den Anschlagzetteln eilt „großer ungarischer Meister" genannt wird, in dem Lokale des ..Art International“ die Ausstellung eines Tendenzbildes: „Szene eines Ritualmords in Ungarn", veranstalten lassen, bei dem er die Malweise und Nuancen Munkacsys in Anwendung brachte. Da nun alle Welt hinter dem „großen ungarischen Maler" Munkacsy vermutete, so wollte dieser, um den ihn gemachten Vorwürfen zu entgehen, die Sache klargestellt wissen. Die Aussteller beharrten dabei, den Namen des großen Unbekannten nicht zu veröffentlichen, so daß das Publikum trotz aller Proteste Munkacsys in dem Glauben erhalten wurde, es handle sich um eines seiner Werke. Munkacsy ist ein heißblütiger Magyar, und so kam es, daß er in Begleitung seiner Frau und eines Bedienten sich in die Ausstellung begab, um laut Verwahrung gegen das ihm zugeschriebene Machwerk einzulegen. Er verlangte die Namensnennung des malenden Anonymus, der ihm aber wieder verweigert wurde, worauf Munkacsy unter der Drohung, er werde sich Recht zu verschaffen wissen, sich entfernte. Nach einem zweiten Berichte sei die Darstellung des Skandalbildes so geartet, daß die Polizei schon aus Sittlichkeitsgründen dessen Ausstellung verbieten könnte. — Im Theater der Folies-Voltaires in Paris wurde jüngst zweimal von einer nur aus Juden bestehenden Truppe eine komische Oper „Sulamith" gegeben, die stets eine große Menge von Besuchern anzog. Das Spiel ist im Jargon geschrieben und soll sehr gut gesungen, gespielt und — getanzt worden sein, denn auch ein Ballet fehlt nicht. Die Musik, wenngleich nicht an Halevy und Meyerbeer hinanreichend, soll sehr melodiös gewesen sein. — Am 14. März gelangte im Stadttheater zu Frankfurt a. M. „Der kleine Kadi" von dem verstorbenen Dr. Ferdinand Neuburger zur ersten Aufführung, — New-Ivrk ist die einzige Stadt der Welt, die drei jüdische Theater besitzt. Selbstredend werden da nur „jüdische Stücke" aufgeführt, und zwar in Dialekt des „Jargon". — In Budapest gelangte ein Lustspiel „Die Tochter Jephta's" und ein kleines Genrebild aus dem jüdischen Leben „Freitag Abend" von dem in Paris lebenden Ungar Desidor Szomory zur Aufführung. Der Inhalt des letzten Stückes ist folgender: Rabbi Aron, der mitten in den Bergen einer kleinen Gemeinde vorsteht, hat ein junges Weib.