Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1896)
- Date
- 1896-05-01
- Page
- Seite 111 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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111 Kraft habe. Jede einzelne Untersuchung hat und behält ihren Wert, gehe sie auch auf gelehrte Kleinigkeiten aus, und so ist mir das Gedichtchen des Aruch lieb und die Nachricht von Menachem und Dunasch, und beschäftigt mich und hundert andere Dinge gleichfalls. Aber dies ist nicht Richtung, dies ist Material, wer weiß wozu? ob wir, ob es ein Anderer brauche oder brauchen könne, wer weiß? Aber Richtung, nein, mein Lieber, das ist Kritik, Kritik einzelner Gesetze, Kritik der einzelnen Urkunden, dahin geht das Streben. Der Talmud muß weg, die Bibel, jener Komplex von meistens so schönen und erhabenen, vielleicht den erhabendsten menschlichen Büchern, muß als Göttliches weg; nun, nicht für heute und nicht für morgen, aber das Ziel bleibt es und ist es, und so arbeiten wir in Verbindung mit allen wahrhaften Bestrebungen der Zeit, und so fördern wir in der Studierstube mehr als durch hundert Predigten nnd vielfältige Erteilung des Religionsunterrichts. — Man schreibt uns, daß die beiden Bibliotheken von Dr. Joel Müller und dessen Werke, sowie die bedeutende Bibliothek von Dr. Wiener, Oppeln, letztere ca. 3000 Bände umfassend, in den Besitz von Buchhändler M. Poppelauer in Berlin übergegangen sind. — In Mannheim wurde eine B'nei Brith-Loge, die 32te auf deutschen« Boden installirt. — Die Religionslehrerkoufereuz von Snlzlmrg-Freibnrg faßte folgende Resolution: „Die neunte Religionslehrerkonferenz der Bezirke Freiburg-Sulzburg richtet an den Großh. Oberrath der Israeliten das ergebenste Gesuch, ein Schulgebetbuch (d. h. ein Gebetbuch, dessen Inhalt vollständig in der Religionsschule zu lehren ist) ausarbeiten zu lassen, welches nach Form und Inhalt den religiösen Anschauungen der Jetztzeit entspricht, und die Einführung desselben als obligatorischen Lehrbuches in allen Schulen des Landes anzuordnen." — Der Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Moritz Lazarus wurde zum correspondirenden Mitgliede der Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg nnd der berühmte Maler Max Liebermann in Berlin zun« Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt. — In Straßburg (Westpreußen) starb Herr Rabbiner Dr. Salomo» Stiebel. — Der bisherige außerordentliche Professor Dr. Rosenthal wurde zum Ordinarius für Staats-, Völker- und Verwaltungsrecht an der Universität Jena ernannt. — In Eisenach starb am 3. März der bekannte Schriftsteller Benedikt Hause, der neben vielen anderen Schriften auch drei Sammelbände von Sabbath- und Kastlalreden veröffentlicht hat. — In Potsdam hat Herr Paul Rieger sein Amt als Rabbiner angetreten. — Herr Rabbiner Dr. Maximilian Pollak in Ödenburg wurde zum Feldrabbincr 2. Kl. ernannt. — In der Gemeinde Czyanta des Biharer Comitats wurde der junge Arzt 'der Gemeinde, Dr. Böla Berge! beerdigt. Nachdem der Rabbiner die rituelle Funktion versehen hatte, trat der reformirte Seelsorger Stefan Thöt an die Bahre und würdigte in einer schönen Rede die Verdienste des Verstorbenen, für den er zum Schluß ein Gebet verrichtete. — Ter Bischof von Waitzeu,