Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1896)
- Date
- 1896-05-01
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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108 Sulamiths von allen Seiten der schmeichelhafte Beifall zu teil wird: so erwarten wir auch um so mehr, daß sich die Zahl der Teilnehmer, die sich nach wie vor in postfreien Briefen an uns zu wenden belieben, immer niehr vergrößern und dadurch die Fortdauer des Journals nach Wunsch gesichert werde. Das Bedürfniß einer eigens für die jüdischen Religionsverwandten bestimmten Zeitschrift wird in Tagen, wo die Lage der Juden in vielen Staaten sich immer mehr verbessert, und in welchen sie sich desto eifriger zu guten Bürgern und nützlichen Gliedern des Staats ausbilden sollen, immer fühlbarer und dringender, und es ist daher sehr zu wünschen, daß sich recht viele biedere Männer die Unterstützung „Sulamiths" recht ernst angelegen sein lassen möchten. Wir haben bis jetzt alles gethan und thun noch jetzt alles, was in unfern Kräften steht, um dieses Institut empor zu bringe» und dadurch heilsamen Nutzen zu verbreiten; wir opfern einen großen Teil unserer Zeit und bedeutende Summen dabei auf, und glauben nun um desto mehr berechtigt zu sein, unsere besser gesinnten Glaubensgenossen wiederholentlich dringend aufzufordern, daß auch sie zur ferneren Verbreitung dieser Zeitschrift, wodurch die Fortdauer derselben bewirkt wird, gehörig beitragen möchten. Der bessere Geist, der sich vieler Juden bemächtigte, läßt hoffen, daß wir uns in unfern Erwartungen nicht täuschen werden." — Diese Klagen verstummen jedoch nicht; fast im Schlußwort jeden Jahrgangs kehren sie wieder und der denkende Leser wird hier sicher zu dem Schluß gelangen, daß die Zustände in Betreff jüdischer Geisteserzeugnisse im letzten Viertel dieses Jahrhunderts dieselben geblieben sind. So wirkte die „Sulamith" fast 4 Jahrzehnte ermunternd und fördernd, belehrend und mahnend, mitteilend und unterhaltend. Der Begründer des jüdischen Journalismus in reiner deutscher Sprache legte erst die Redaktion nieder, als seine von ihm gegründete und 50 Jahre vortrefflich geleitete Franzschule eine Staatsanstalt wurde und Fränkel nach einem arbeitsreichen von vielen Erfolgen gesegneten Leben in den wohlverdienten Ruhestand trat. Wie taktvoll er in der Wahl seiner Mitarbeiter und Mitteilungen war, ist wohl am deutlichsten daraus zu ersehen, daß von christlicher Seite nie der geringste Tadel oder Angriff erfolgte und nie Äußerungen über anmaßenden jüdischen Partikularismus fielen, aber auch von jüdischer Seite wurde kein Wiederstand, kein Groll und keine Empörung bemerkt. — Die Spuren von Fränkels segensreicher Thätigkeit auf dein Gebiete des jüdischen Journalismus lassen sich schwer durch Thatsachen feststellen und in den seltensten Fällen beweisen, denn die Wege des Kulturfortschritts sind still und verborgen. Doch ist es nicht abzustreiten, daß Fränkel zur Emanzipation manchen Baustein in der „Sulamith" geliefert und deshalb wird auch hierin sein Name von der dankbaren Nachwelt unvergeßen bleiben. —