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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-05-01 · Heft 5 (1.5.1896) · p. Seite 102

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 5 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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Rechte nicht verkürzt worden durch die Einfügung von Gebeten in der Landessprache; und das Bewußtsein, daß hierdurch einem großem Teile der Glaubensgenossen, namentich dem weiblichen Geschlecht und der Jugend, ein wesentlicher Dienst geleistet, daß die Religion ihrem Herzen näher gebracht wird — dies Bewußtsein wird ihnen die Kraft und die Freudigkeit gewähren, auch ihrerseits an dem schönen Werke mitzuarbeiten. Die Rücksicht auf die Alten und am Alten Hangenden haben wir bei der Abfassung des Gebetbuches stets walten lassen, uns leitete beständig der Gedanke, dem unser Lehrer Moses in so herrlicher Weise Ausdruck geliehen: „Mit unseren Jungen und mit unseren Alten wollen wir gehen, mit unseren Söhnen und mit unfern Töchtern wollen wir gehen, denn ein Fest des Herrn ist es uns!" Und so mögen denn die Feste des Herrn durch den Beschluß, der heute hier gefaßt wird, für eine .größere Anzahl der Gemeinden Israels an Weihe und Heiligkeit gewinnen, möge es uns vergönnt sein, uns noch in später Zukunft des heutigen Berbandstages mit hoher Genugthuung zu erinnern, möge der Segen des Höchsten das Werk unserer Hände krönen, auf daß es uns zum Heile und Ihm zur Ehre gereiche. Dölkerpsychol'ogische Wetrachlungen über das Judentum, Nach einem Vortrage gehalten von Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Lazarus. Es ist heutzutage wohl kaum mehr nötig, vor einem gebildeten Publikum einleitende Bemerkungen über das Wesen der Völkerpsychologie zu machen. Allerdings giebt es noch keine systematische Darstellung der Wissenschaft, doch ist dies nicht zu bedauern. Vor mehr als vierzig Jahren bei ihrer Gründung, ist die Wissenschaft in weiteren Kreisen noch unbekannt gewesen. Jetzt hat sich das geändert in dem Maße, daß es wohl kaum ein historisches, juristisches, ja noch weniger sozialpolitisches Werk giebt, das nicht völkerpsychologische Betrachtungen enthielte. Selbst jede Zeitung, welche Vergleiche über den Charakter der verschiedenen Völker anstellt, steht damit auf völkerpsychologischem Boden. Als ich vor nunmehr vierzig Jahren diese Wissenschaft gegründet und ihr selbst den Namen gegeben, habe ich nicht geglaubt, daß ich noch die heutige Ausdehnung derselben erleben würde. Ich muß also hier ein doppeltes Bekenntnis oblegen: erstens, daß ich Begründer der Völkerpsychologie und ferner, daß ich ein Jude sei. Das letztere ist kein Zufall, denn beides gehört zusammen: Nur auf dem Boden des Juden-

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