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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-05-01 · Heft 5 (1.5.1896) · p. Seite 101

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 5 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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101 weil die daselbst gesprochenen Gebete teilweise von veralteten Anschauungen ausgehen, Gedanken und Wünsche zum Ausdruck bringen, die sie nicht teilt? Ich sollte meinen, ein solcher Zustand verdient den Namen „Frieden" nicht, er erinnert vielmehr an das Prophetenwort: „Sie suchen die Wunden meines Volkes leichthin zu heilen, indem sie sprechen: Frieden! Frieden! wo doch kein Friede ist." Nach echt jüdischer Auffassung, die durch die heilige Schrift bestätigt ist, muß die Wahrheit die unzertrennliche Begleiterin des Friedens bilden, wenn anders dieser seinen Namen mit Recht tragen soll. „Liebet die Wahrheit und den „Frieden" — so klingt die Mahnung des Propheten Secharjah an das aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrte Israel. — „Wenn nur Friede und Wahrheit in meinen Tagen herrschen möchten" — lautet der Herzenswunsch des frommen Königs Chiskijah. Wird aber der Friede durch Verleugnung der Wahrheit erkauft, so hat er nimmermehr Bestand, dann entsteht jener schwächliche Zustand, der alle Begeisterung ertötet, jeden Aufschwung lähmt. Frieden um jeden Preis! ist eine Forderung, die nur verächtliche Bequemlichkeit und Eigenliebe erheben kann, sie hat viel Ähnlichkeit mit jenem unheiligen, verhängsnisvollen Spruche: Nach uns die Sintflut! Darum können wir auch nicht den Rat befolgen, alles nur weiter in dem bisherigen Zustande zu belassen, bis das Veraltete und Jnhaltlosgewordene von selbst ohne jeglichen Kampf und Widerspruch abstirbt. Wir wissen, daß dann auch vieles, was jetzt noch lebenskräftig und der Erhaltung wert ist, mit Hinabstürzen würde in das Totenreich, daß bis dahin die Gleichgültigkeit gegen die Religion und ihre Einrichtungen verheerende Wirkungen hervorgebracht und dem Judentunie tiefe, unheilbare Wunden geschlagen haben würde. Wir wollen uns als treue Hüter des unserer Obsorge anvertrauten Baumes der Religion bewähren, die verdorrten Zweige abschneiden, die häßlichen Auswüchse beseitigen, damit er frisch und lebenskräftig bleibe, damit noch unsere Nachkommen sich an seinen saftigen Früchten erquicken, unter seinem Schatten Schutz und Linderung vor de>n Sonnenbrände des Lebens finden können. Und wahrlich! Auch den ehrwürdigen Alten in unseren Gemeinden »uiten wir kein schweres Opfer zu, wenn wir pietätsvoll die bessernde Hand an llnsere gottesdienstlichen Einrichtungen legen, wenn wir den hohen idealen Beruf Israels kräftigst betonen, den Erinnerungen der Vergangenheit unseren Tribut zollen, aber gleichzeitig auch das Recht der Gegenwart wahren und die Zukunft liebend ins Auge fassen. Auch sie, die mit Zähigkeit an dem Alten festhalten und die sich ungern von dem seit ihrer Kindheit ihnen geläufig gewordenen Gebettext trennen, werden bald erkennen, daß unsere Gebete durch die Umgestaltung an Innigkeit nur gewonnen haben, daß die heilige hebräische Sprache in ihrem

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