Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1896)
- Date
- 1896-04-01
- Page
- Seite 90 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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90 einstellten. Daß man später anch ans anderen Gründen es gerne sah und noch heute sieht, wenn Gäste sich einfinden, ist bekannt und hat ja diese Gastfreundlichkeit in dem ersten Hagadastück („Wer hnngrig ist esse mit, wer das Bedürfnis hat. feiere Peszach mit!") ihren Ausdruck gefunden. Was ist da natürlicher, daß man für einen etwaigen unten Gast Vorsorge traf, wozu bei Beginn des „Seder" vorerst ein gefüllter Becher genügte? Später als die „Genossenschaften" längst anfgehört und man darum den eigentlichen Ztveck des überflüssigen Bechers nicht mehr erkannte, behielt 'das Volk doch den Becher bei, gab ihm jedoch eine mittelalterlichen Verhältnissen entsprechende Deutung. Die Verfolgungen im Allgemeinen und die besonderen Verfolgungen zur Peszachzeit erweckten die Sehnsucht nach Erlösung, als deren Vorläufer der nicht gestorbene, sondern nur entrückte Prophet Elias im Hinblick anch auf daraus hinzielende Schriftvcrse betrachtet wurde. Man glaubte ihn, wie bei anderer gefährlichen religiösen Handlung so auch an diesem gefahrdrohenden Abend gegenwärtig und widmete ihm den „Eliasbecher." Als ich zum ersten Male in einem religiösen Vereine die Bedeutung des Schabbos hagodaul, des „langen Sabbat," llarlegen wollte und warum man ihn so genannt, da mißfiel mir die von den Alten gegebene Erklärung, weil viel zu gekünstelt und unnatürlich, im höchsten Grade. Ich sann nach und glaubte der richtigen Deutung ans die Spur gekommen zu sein. In alter Zeit belehrte man das Volk, gemäß einer talmudischen Vorschrift über Bedeutung und religivnsgesetzliche Bestimniungen eines jeden Festes schon dreißig Tage vor demselben. An den Sabbaten wurden zu diesem Zwecke Vorträge für Jedermann gehalten, und hat sich dieser Gebrauch teilweise bis auf unsere Zeit erhalten. Die meisten Erörterungen beanspruchte das Peszachsest mit seinen vielen besonderen Vorschriften. Was Wunder, daß namentlich der Vortrag am letzten Sabbat vor diesem Feste oft überlang währte, weil der Redner das Thema noch erschöpfen wollte. Und da ist es nur natürlich, daß das Volk den Sabbat mit dem nicht enden wollenden Vortrage witzelnd den „langen Sabbat" nannte, etwa so wie die Christen, die es nicht begreifen können, daß io i r am Versöhnungstage so lange fasten, diesen Ta;; den „laugen Tag" nennen. In jüngster Zeit kam ein Maharil in meinen Besitz und zu meiner Freude finde ich bei diesem bedeutendsten Kenner jüdischer Gebräuche meine Verinntuug bestätigt. (Maharil ed. Offenbach 1720 S. 3d.) Dr. Mayer (Zweibrücken). Monatsschau. In feierlicher Weise fand jüngst im Sitzungssaale der jüdischen Gemeinde in Berlin die Einführung der neu-, bezw. wiedergewählten Repräsentanten sotvie