Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1896)
- Date
- 1896-04-01
- Page
- Seite 89 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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89 Das hindert nicht, daß eine bestimmte Gattung von Einnahmen von vornherein dafür bestimmt ist, für in der Zukunft liegende Ausgaben reserviert zu werden. So werden die Überschüsse aus den Erträgnissen der Erbbegräbnisse wiederum für Erwerbung eines Friedhofes angesammelt. Diesem Umstande ist es allein zu danken, daß die Gemeindebehörde in diesem Jahre einen neuen Friedhof in der Größe von 50 Morgen erwerben konnte, ohne den Etat zu belasten. Denn nach den staatlichen Bestimmungen soll wie Sie wissen, die Steuerquote die Mitglieder unserer Gemeinde nur in soweit belasten als die aufznbringende Summe zur Balancierung des Etats notwendig ist. Dieser Etat muß aber stets mit der Heberolle der staatlichen Aufsichtsbehörde, also bei unserer Gemeinde dem Königlichen Polizei-Präsidenten von Berlin zur Genehmigung vorgelegt werden und diese Genehmigung würde unbedingt versagt werden, wenn man die Gesamtmsumme und danach die Quote der einzelnen Mitglieder höher berechnen würde, als nach den staatlichen Vorschriften unbedingt erforderlich ist. Was die Zahl der beitragspflichtigen Mitglieder unserer Gemeinde betrifft, so hatten wir am Schluß der vorigen Etatsperiode 13,500 Censiten, in diesem Etatsjahre zählen wir ungefähr 16,500 Censiten. Hiermit glaube ich in großen Zügen Ihnen ein flüchtiges Bild von der Verwaltung und Finanzlage unserer hiesigen jüdische» Gemeinde gegeben zu haben und habe ich Ihnen nur noch für die Nachsicht zu danken, mit welcher Sie, meine geehrten Herren, meinem Vortrag gefolgt sind. Der „Kliasbecher" und „der lange Sabbat." So gewiß als der nahende Frühling die ersten Schwalben bringt, so gewiß als eine orthodox gesinnte, alte Gewohnheiten übende jüdische Hausfrau sofort nach Puriur mit dem „Schütteln" beginnt, ebenso gewiß bringen die jüdischen Blätter in den Wochen vor Peszach allerlei Vermutungen über etwelche absonderliche Gebräuche au diesem Feste. So las ich auch jüngst in einem Blatte Ansichten über den sogcnanten „Eliasbccher", die mit dialektischer Spitzfindigkeit dessen Dasein zu begründen suchen, hierbei aber das Einfache und Naheliegende übersehen. Im jüdischen Altertum zur Tempelzeit war die häusliche Abendfeier mehr ein Geiiossenschaftsfest (Chaburoh), jetzt ein Familienfest. Damals fand aus religiousgesetzlichcu Gründen, wie jedem Talinudkcnner bekannt, oft ein Verkehr zwischen einzelnen Pcszachgenosscnschaften statt, so daß es nicht allznselten vorkam, daß in letzter Stunde bei einer Genossenschaft neue, unvorhergesehene Gäste sich