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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-04-01 · Heft 4 (1.4.1896) · p. Seite 87

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 4 (1.4.1896)
Date
1896-04-01
Page
Seite 87 (sequence 15)
Language
German
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87 1. die christlichen Kirchen den Grund und Boden ans einem öffentlichen Platze geschenkt erhalten, während wir ein Terrain dazu kaufen müssen, welches noch überdies in der Straßenflucht belegen ist und nach zwei Seiten resp. nach zwei Straßen besondere Ausfahrten erhalten muß; 2. daß die christlichen Kirchengemeinden für den inneren Ausbau (Fenster, Altar, Taufgeräte rc.) Geschenke erhalten, während bei uns höchstens einmal eine Thora oder ein Vorhang geschenkt wird; 3. daß endlich die christlichen Prediger, Küster rc. ganz oder zum Teil Staatsbesoldung erhalten, während wir alle Beamten unterhalten müssen. Da bekanntermaßen die meisten Juden, soweit dieselben überhaupt noch Synagogen besuchen, nur an den drei höchsten Festtagen des Jahres dieselben betreten, so erscheint die Beibehaltung von außerordentlichen Gottesdiensten an den höchsten Festtagen in der bisher üblichen Weise dem Bedürfnis genügend zu entsprechen und daher zu empfehlen; nur müssen würdige Stätten wie z. B. der Festsaal der Gesellschaft der Freunde, des Brüdervereins rc. und nicht etwa gewöhnliche Bierlokale oder sonstige dem Alltagstreiben gewidmeten Orte für diese so zu sagen außerordentlichen Gotteshäuser ausgewählt werden. Uebrigens ist zu einer Synagoge im Westen bereits vor Monaten das Hinterland von Potsdamerstraße 118b mit der Front nach der Lützowstraße für 500,000 Mk. gekauft worden und wird sich also diese Synagoge noch nicht einmal annähernd für den von mir durchschnittlich angenommenen Kosteupreis Herstellen lassen, vielmehr wird der Ban dieser Synagoge im Westen mindestens eine Summe von circa 900,000 Mk. für die Gemeinde erfordern, also fast soviel als die ganze Gemeinde für einen Jahresetat aufzubringen hat, so daß dieSteuer-- quote, wenn etwa die Kosten für die Aufführung dieser Synagoge in Einem Jahre getilgt werden sollen, was natürlich nicht geschehen wird, für ein Jahr ans das Doppelte erhöht werden müßte. Die Kosten für diese Synagoge werden vielmehr voraussichtlich durch eine Anleihe aufgebracht werden, deren niedrige Verzinsung und Amortisation die Gemeinde nicht allzuschwer belasten wird. Auch wollen Sie noch berücksichtigen, daß durch den Bau dieser neuen Synagoge in der Lützowstraße das Gotteshaus in der Oranienburgerstraße wesentlich entlastet wird, da viele Besucher desselben ihre Kauf- oder Mietsstände aufgeben werden, um solche in jener, ihnen näher gelegenen Synagoge zu erstehen. Was die Gemeindeschulen betrifft, so erfordern die Knabenschule, die Mädchenschule und die 4 Religionsschulen, das Talmud-Torah - Institut, die Präparandenklasse für die drei Etatsjahre eine durchschnittliche Ausgabe von circa 150,000 Mk. Hierbei muß ich noch besonders anerkennend hervorheben, daß die Gemeindeverwaltung gerade dahin strebt, den Religionsunterricht nicht

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