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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-04-01 · Heft 4 (1.4.1896) · p. Seite 75

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 4 (1.4.1896)
Date
1896-04-01
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 Leiden, in der das Kind Israel schon so frühzeitig den herben Ernst des Lebens begreifen mußte, damals schon, als es erst an der Schwelle seiner großen geschichtlichen Laufbahn stand, ging das Licht jener erhabenen Wahrheit ihm auf, die uns Gott als den lieben Vater, als den treuen Helfer, als den gnadenvollen Führer und Schirmer der Verlassenen erkennen läßt. Es sah wie die Gewalt, trotz der riesigen Macht, ans die sie sich stützte, dem Rechte weichen mußte, es erlebte an sich den Sieg des Lichtes und der Freiheit, der nicht durch die Schärfe des Schwertes gewonnen, der nicht in der Hitze des Kampfes errungen, der den Willen einer höheren Vorsehung, die richtend und segnend über der Menschheit waltet, ihm offenbarte und so trat es hinaus, um -vor allen Völkern der Erde der Zeuge und Lehrer jener beseligenden Wahrheit zu werden, so fühlte es sich berufen, währenddem eine ganze Welt vor falschen Götzen im Staube lag, von den lichten Höhen der Freiheit, die es in mutigem Fortschritt des Geistes erstiegen, zu verkünden den Namen des Einen und Ewigen, dem allein die Macht gehört, weil auf Gerechtigkeit sein Thron gegründet ist, die ewige Weisheit seine Krone, unvergängliche Liebe sein Scepter ist. Draußen in der weiten Welt, selbst da, wo Wissen und Kunst schon eine hohe Stufe erreicht hatten, hielt noch die Finsternis des Wahnes die Geister gefangen, aber in Israel da hatte bis in die letzte Hütte das Licht der wahren Gotteserkenntnis seine Heimat gesunden; draußen in der weiten Welt, selbst da, wo schon ein hohes entwickeltes Staatswesen zur Blüte gelangt war, herrschten noch immer falsche Rechtsbegriffe, war immer noch der Willkür und Herrschsucht ein weites Feld eingeräumt, hier ivurde, da kaum noch der Boden der Selbständigkeit betreten war, der Ausspruch verkündet „Ein Gesetz soll gelten für den Eingeborenen und für den Fremden der in Eurer Mitte weilt," draußen wurden noch Schranken und Scheidemauern aufgerichtet, die den Menschen von den Menschen absonderten, seufzten Tausende unter dem Joche der Knechtung und Ausschließung, und hier war es längst gelehrt und anerkannt worden, daß innerhalb der großen Volksgemeinschaft keine Ungleichheit bestehen dürfe, kein Unterschied zlvischen Hohen und Niedrigen, zwischen Neichen uud Armen, zwischen Fürstell und Knechten und für alle ein Gesetz gelte, ein Recht, eine Pflicht, eine Ordnung. Müssen wir nicht, wenn wir dies betrachten und erkennen, Anstimmen in den Ruf des heiligen Sängers: „Als Israel aus Ägypten auszog, das Haus Jakobs aus dem Lande der Barbaren, da war in Juda das Heilgtum Gottes auf Erden aufgerichtet, da war in Israel das Reich seiner Herrschaft." Ja die Schatten der Finsternis bedeckten noch weithin die Erde, das schwarze Dunkel der Nacht lagerte in undurchdringlicher Tiefe auf den Gefilden der Menschheit, aber in Israel strahlte das Licht der Wahrheit, da war glanzvoll aufgestiegen das Morgenrot einer neuen helleren Zllkunft. Wir begleiten Israel auf seiner Wanderung durch die Zeiten, wir

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