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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-03-01 · Heft 3 (1.3.1896) · p. Seite 63

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 3 (1.3.1896)
Date
1896-03-01
Page
Seite 63 (sequence 15)
Language
German
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63 „Aber nur soweit die Einkünfte aus dem Gemeindevermögen und die sonstigen Nutzungen derselben zur Bestreitung der Geldbedürfnisse nicht ausreichen, nur soweit — bestimmt das Gesetz — sind die einzelnen. Mitglieder nach Verhältnis ihres Einkommens zu Geldbeiträgen verpflichtet." Aus diesem Zweck der jüdischen Gemeinde und ihren Pflichten ergiebt sich von selbst der Gegenstand oder vielmehr die Gegenstände ihrer Verwaltung. Aber es ergiebt sich daraus auch ohne Weiteres, daß die Verwaltung eine so weitverzweigte und vielseitige ist, daß weder die Repräsentanten-Versammlung, noch der Vorstand ausreichen würden, selbst und allein alle diese vielgestaltigen Einrichtungen zu leiten und auszuführen. Die jüdische Gemeinde zu Berlin ist mit einem mächtigen Baume zu vergleichen mit vielen großen und kleinen Zweigen. Die Wurzeln des Baumes sind der jüdische Glaube und die Glaubensgemeinschaft. Die Repräsentanten-Versammlung und der Vorstand bilden den Stamm, der die Vertretung und Verwaltung der jüdischen Gemeinde im Allgemeinen nach Außen und Innen zu tragen hat. Die einzelnen Einrichtungen sind die Zweige und Äste, die aus den Wurzeln wohl ihre Nahrung, aus dem Stamm wohl ihre Kraft herleiten, sich aber selbst vielgestaltig entwickeln. Und es erfordert gerade hierbei eine sachkundige Pflege, daß die einzelnen Zweige dem Baume erhalten bleiben und sich in richtigem Verhältnis zum Ganzen — nicht zu mächtig und nicht zu dürftig — fortentwickeln. (Forts, folgt.) Hlber den Kampf um's Dasein im HSezug auf die Juden. Der Darwinianer, Professor Dodel in Zürich, behandelt in einigen Vorträgen vor einem größeren Publikum die Darwin'schen Theorieen, die ich als bekannt voraussetze. Unter anderm spricht er vom Kampf um's Dasein, auch beim Menschengeschlecht und über die daraus entstehende natürliche Zuchtwahl. Um seine Theorieen zu beweisen, bringt er unter anderm ein Beispiel aus der Entwicklungsgeschichte der Juden, über welche er Folgendes sagt: „Man hat durch 2000 Jahre die Juden in den denkbar drückendsten Ausnahme- „stellungen unten gehalten! man hat sie in alle Länder zerstreut, heimatlos „und oft auch rechtlos erklärt; man hat sie gelegentlich blutig verfolgt und „ihnen das Leben so sauer gemacht, wie es nur Christen unter sich oder gegen. „Andere sauer zu machen verstehen, dabei haben diejenigen, welchen die Macht „zur Unterdückung zukam, völlig übersehen, daß sie selbst der Nemesis eines „Naturgesetzes in die Hände arbeiten."

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