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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-03-01 · Heft 3 (1.3.1896) · p. Seite 58

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 3 (1.3.1896)
Date
1896-03-01
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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58 gegenseitige Verschwägerung näher herbeigeführt wird, so wird anderseits doch zugestanden werden müssen, daß die immerhin abweichende Lebensrichtung, welche von der Verschiedenheit der Religion ausgeht, den ehelichen Frieden zu trüben, die innige Seelengemeinschaft zn stören geeignet ist. Das Bedenken einer gegenseitigen nachteiligen Einwirkung in Betreff der religiösen Ansichten wird auch nicht unterdrückt werden können. Und so mag es der Religion, zumal der nicht herrschenden, der durch ihre Minderzahl schon immer gefährdeten, nicht verargt werden, wenn sie nicht freiwillig die Hand zur Förderung solcher Ehen bietet, wenn sie vielmehr weit lieber den Zutritt eines Teiles mit geringeren Schwierigkeiten umgiebt, als sie sonst bei Übertritten zu machen sich verpflichtet fühlt." So weit Geiger. Wer nun von Beiden Recht hat, Einhorn oder Geiger? Über diese Frage ist nicht, wie über eine Frage der Geschichte, der Naturkunde, der Mathematik, eine übereinstimmende Antwort zu erwarten. Hier handelt es sich nicht um feststehende Thatsachen, die zu erkennen sind, sondern um Normen für unser Thun, die zu befolgen, um Tendenzen für unser amtliches Verhalten, die zu beachten sind. Und hier gehen die Ansichten auseinander. Die tiefer liegende Frage ist aber: Sollen wir im Stammesjudentum verharren oder sollen wir die Schranken des Stammesjudentums in Verfall geraten lassen? Wir werden bei weiterer Erwägung sehen, daß mit dieser eigentlichen Prinzipienfrage noch ganz andere Probleme Zusammenhängen, die dem heutigen Israel zur Lösung sich entgegenstellen. ■ Einige Andeutungen bloß seien hier verstattet. Es gährt gewaltig in der religiösen Welt Amerikas; und die Congresse der „Liberal Religions Societices" sind zur Zeit hervorragende Symptome dieser Gärung. Sollen Vertreter der Judenheit aktiv daran sich beteiligen? Sollen sie Mitwirken, daß, wie es bereits vorgeschlagen und beschlossen worden ist, in kleineren Städten freie Gemeinden sich bilden, deren Mitglieder sich aus Juden und Nichtjuden zusammensetzen? Sollen jüdische Prediger und Rabbiner das Lehramt an solchen neuzugründenden Gemeinden annehmen? Wenn aber solches geschieht, dann wird gewiß von der einen Seite der Ruf ertönen: Ihr amerikanischen Reformrabbiner, die Ihr gemischte Ehen einsegnet; die Ihr in freien Gemeinden zu lehren bereit seid; die Ihr Sabbathe und Feste in Verfall geraten lasset; die Ihr noch vieles ändere Jüdisch-Charakteristische im Kultus und im Leben dahinschwinden lasset, — Ihr leget die Axt an die Wurzel des Judentums, Ihr seid die Zerstörer des Judentums. Ihr wollet, um mit einem talmudischen Gleichniswort zu reden, das Faß zerschlagen, das den Wein in sich birgt, aber es. wird Erich nicht gelingen, den Wein zu retten; er wird verloren gehen. — Auf der anderen Seite dagegen wird behauptet werden, daß man durch solches Thun gerade der Verherrlichung des wahren Judentums diene und daß man es dadurch von nationaler Beschränkung befreie und es zu einer universalen, einer Weltreligion machen helfe.

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