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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-03-01 · Heft 3 (1.3.1896) · p. Seite 55

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 3 (1.3.1896)
Date
1896-03-01
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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55 waren gesinnungsverwandt und zwischen beiden ist auch nie eine Thatsache getreten, welche die Trennung beider verursacht hätte. Es muß dieses besonders betont werden, um die Angriffe PH. Philippsons zu entkräften, der in der Biographie Wolfs durchblicken läßt, als habe Fr. ihn gekränkt, und sich so seiner Dienste entledigen wollen. Auf Seite 72, Band 1 zweiter Jahrgang giebt Fr. davon selbst Nachricht: „Zur Vermeidung von Mißverständnissen diene folgendes: Nur wegen äußerst überhäufter anderweitiger Berufsgeschäfte, welche oft verhindern, thätigen Anteil an der Redaktion dieser Zeitschrift zu nehmen, sah sich mein schätzenswerter Freund, Herr Wolf, genötigt, auf den ferneren Anteil an der Redaktion Sulamiths Verzicht zu leisten, so daß ich dieselbe von nun an ganz allein übernehme. Dieser wackere Gelehrte wird indessen doch fortfahren, sowohl aus Liebe zur guten Sache, als auch aus Freundschaft gegen mich diese Zeitschrift bisweilen mit seinen gehaltvollen Beiträgen zu versehen." (Schluß folgt.) Sind wir noch Inden? Von Dr. B. F e l s e n t h a l- (Schluß.) Bei der Auffassung des Satzes, daß die Judenheit ein Stamm sei, handelt es sich nicht um Tendenzen oder bloße persönliche Ansichten, über die man geteilter Meinung sein kann, sondern um eine Thatsache, die man nach den Methoden exakter Forschung wissenschaftlich feststellen kann. Seit Jahrtausenden beruht das ganze jüdische Religionsgesetz auf der Anerkennung dieser Thatsache. Die ganze jüdische Geschichte, welche ja nicht bloß die Geschichte des Judentums, sondern auch und mehr noch eine Geschichte der Juden ist, beruht auf der Anerkennung dieser Thatsache. Unser heutiges Empfinden und Denken und Handeln, die Stellung, welche die nichtjüdische Welt uns Juden gegenüber einnimmt, und noch manches Andere erklären sich nur durch die Thatsache, daß wir ein Stamm sind. Unsere Prediger, welche so oft, ohne sich dessen immer klar bewußt zu werden, von den ererbten jüdischen Staminestugenden und den abzulegenden jüdischen Stammesfehlern reden; unsere jüdischen Zeitschriften, welche ja bekanntlich nicht bloß jüdisch-religiöse Fragen besprechen und jüdisch-religiöse Nachrichten bringen, sondern alles in den Kreis ihrer Besprechung ziehen, was Juden als Stammesjuden betrifft; unsere eigenen Clubs, denen gewiß niemand es nachsagen wird, daß sie Vereine zur Verfolgung jüdisch-religiöser Zwecke seien; die jüdischen Bälle, die jüdischen Picnics, die ja gewiß nichts mit Judentum als Religion zu thun haben: — alles dies beweist es klar, wie richtig unb unabweisbar die Thatsache ist, daß die Judenheit eine durch das Band der gemeinsamen Stammesangehörigkeit zusammeugehaltene Gemeinschaft ist.

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