Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1896)
- Date
- 1896-03-01
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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54 erzählt, schließt er: „Von Vaterlandsliebe beseelt, erscheint Sulamith auf der' äußersten Warte der Festung, dem Feldherrn den Bund des Friedens darreichend. Wenig, aber kraftvoll waren ihre Worte: „Ich bin eine Friedliebende, Getreue in Israel!" Sie zum Vorbilde wählte die deutsche Sulamith sich. Gleich jene tritt auch sie aus der Mitte einer bedrängten Nation hervor und erscheint als Vermittlerin und Friedensstifterin zwischen dieser und den Gegnern derselben, welche in dem Wahne stehen, als begünstige sie den Feind der Menschheit in ihrer Mitte. Sie hofft, es soll ihr nicht an kräftig wirkenden Mitteln fehlen, gleich jener großen Friedensfrau, beide Teile zu besänftigen, ihnen Friedensstimmungen einzuflößen und zur Ehre der Menschheit das Gute zu befördern, welches nur der Gemeingeist unter den Menschen bewirken kann. Vielleicht gelingt es ihr, die Zerstörer ihrer inneren und äußeren Wohlfahrt zu entfernen und zu entwaffnen, damit der Baum des Friedens aus ihr selbst hervorgehet, dessen Früchte heilbringend für die ganze Menschheit sein werden." Der Worte waren nun genug gewechselt; die Thaten folgten unmitttelbar darauf. Wohl selten ist eine Zeitschrift in solch frischem, edlen Ton gehalten, wie die Sulamith. Fränkels Freunde und Gesinnungsgenossen lieferten ihm reichlich wissenschaftliche Beiträge und bei der Auswahl derselben ist entschieden das Prinzip verfolgt, daß für seine Leser das Beste eben nur gut genug sei. Zunächst hatte Fr. in Dessau an seiner Schule Lehrer, die, wenn sie auch Autodidakten waren und ihre Bildung auf den Talmndschulen genossen hatten, wohl in der Lage waren, ihm aus dem reichen Schatze ihres Wissens und ihrer Erfahrung gediegene Aufsätze zu liefern. Schon das Inhaltsverzeichnis des ersten Bandes weist eine Fülle gediegener Arbeiten auf, die nicht allein das religiöse Leben betreffen, sondern die ganze Stellung der Israeliten, ihren Unterricht, ihre Eigenarten behandeln, so ist fast jedes Heft gehalten; der Belehrung folgen Mitteilungen, Nekrologe, Miszellen, Berichte über Handwerk und Künste, Briefe an den Herausgeber u. dgl.; auch sind stets Bücheranzeigen und Rezensionen vertreten. Die jüdische Pädagogik fing damals ja erst an, den jüdischen Schulen Bücher in deutscher Sprache zu liefern und der denkende Leser würde erstaunen, mit welch praktischen Blick die Urteile über Schulbücher gefällt sind. Warmes, uneingeschränktes Lob erhielten die guten, benutzenswerten Erscheinungen, scharfen Tadel minderwertige und schlechte. Wer es unternehnien würde, die Besprechungen der Bücher für den Religionsunterricht, wie sie in der Sulamith stehen, zu sammeln, würde nicht genug die Verdienste des Direktors Fränkel würdigen können, denn die Ideen Pestalozzis, der Philanthropen und Mendelssohns waren in seltener Harmonie in ihm verbunden. — Die treueste Stütze bei der Entwicklung der Zeitschrift hatte Fr. in dem Lehrer und Prediger Wolf. Es ist hier nicht der Ort, die Verdienste W.s um die deutsche Predigt nachzuweisen. Beide Männer