Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1896)
- Date
- 1896-03-01
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969823-2969827--4710-2973983- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
53 Zeitschrift auf die oft erwähnte Art das Nützliche und Gute, so viel als möglich, zu verbreiten." Auf die Einwendungen der Männer, welche die litterarischen Fehden der Zeit genau kannten, die Herausgabe der Sulamith zu unterlassen, erwiderte Fränkel: „Ich vertraue auf die gute Sache, und scheue keine Unannehmlichkeiten, wenn es die heilige Pflicht gilt, Menschenwohl zu fördern, ruhig und unbekümmert, was Gegner des Guten immerhin Tückisches ersinnen und vornehmen mögen, ich gehe meinen Gang, den ich mir vorzeichne, unaufhaltsam fort und halte mich fest an der Wahrheit, die so alt wie das Universum ist, immer dieselbe, — und wer ihr stets möglichst getreu bleibt und folgt, den muß wenigstens die Nachwelt erkennen, insofern er von der in seiner Periode lebenden Generation verkannt wurde." — Zum Schluß der Einleitung wendet sich der Herausgeber an die „achtungswürdigen Mütter und Töchter in Israel"; er empflehlt ihnen die Sulamith als getreue Freundin und Ratgeberin und bittet sie, sich dieselbe ja nicht etwa in einem fremden morgenländischen Gewände zu denken; nie soll die ihrem Geschlechte gebührende Achtung von ihm und seinen Mitarbeitern aus dem Auge gelassen werden, aber einige Wahrheiten über Verbesserung mancher Verhältnisse werde er ihnen sagen. Mit Deborahs Worten „Zerrüttung war in Israel und kühn hebt sich der Freimut wieder", beendet Fränkel seinen ersten Artikel in der Sulanlith. Um eine Äußerlichkeit, die Titelvignette, zu erlären, ergriff Wolf nochmals im ersten Hefte das Wort. „Ich höre wohl manche neugierige Dame fragen: Wer mag wohl das Frauenzimmer sein, das sich auf der Spitze einer Festung den wilden Blicken des herannahenden Feindes ohne Wehr entgegenstellt? — Welche sonderbare Idee mag sich wohl manches junge Mädchen, dessen Seele voll romanhafter Träumereien seiner gewöhnlichen Lieblingslektüre ist, hiervon machen? Würde nicht so manche andere mit einem halberzürnten Blick auf diese Morgenländerin, die ungerufen in den Zirkel deutscher Leserinnen zu dringen wagt, stolz und verächtlich herabsehen und das Ganze als eine Chimäre erklären? — Es hat unstreitig unter den Weibern des Orients manche Heldenseele gegeben, die um ihre Nation und um ihr Vaterland sich sehr verdient gemacht hat. Die Geschichte stellt eine Menge von Beispielen von solchen weiblichen Unternehmungen auf. Jene kluge Frau, deren die Geschichte (II. Sam. 2, 20) erwähnte. — wir wollen sie Sulamith (Friedensstifterin) nennen, da die Geschichte von ihrem eigentlichen Namen schweigt — verdient gewiß einen vorzüglichen Rang unter diesen weiblichen Heldinnen. Es ist wahrscheinlich nichts Geringes, die Retterin einer von Zerstörung und Untergang bedrohten Stadt, und die Wiederherstellerin des Friedens zwischen einem Volke und seinem verkannten Könige zu sein." — Nachdem W. in recht breiten Sätzen den geschichtlichen Hergang der Belagerung