Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1896)
- Date
- 1896-02-01
- Page
- Seite 45 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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45 den erfolgreichen Nachweis, daß Heinrich Heine's Genius „auf gewachsenem Boden wie ein vorsichtiger Baumeister sich angebaut hat". Zu diesem Zwecke schilderte er das Leben von Heine's neun Ahnen männlicher wie weiblicher Linie. Durch Beigabe der weißt in hebräischer Sprache verfaßten Quellen ist dem Buche ein streng wissenschaftlicher Charakter gegeben. Das Werk bietet einen neuen Beitrag zu der Vererbungstheorie, die von Th. Ribot*) augenblicklich verfochten wird. — Der Antisemitismus und die Juden im Lichte der modernen Wissenschaft von Prof. C. Lombroso. Autorisierte deutsche Ausgabe von Dr. H. Kurella. Leipzig. Georg H. Wigand's Verlag. Eine Abfertigung der Klassen- und Rassenhaß-Seuche, wie sie gründlicher, sachlicher, wissenschaftlicher und objektiver nirgends geboten worden ist; eine Fülle geistsprühender und origineller Sätze; dabei aber keineswegs philosemitisch geschrieben; im Gegenteil gar mancher berechtigte Vorwurf trifft die veralteten auszurottenden Riten der Juden. Aber was nützen alle die Darlegungen mit ihrer doppelten Schneide gegen den Antisemitismus? „Wenn Fragen des öffentlichen Lebens Sache einer Partei werden, deren Programm nichts ist, als ein Firnis zur Übertünchung unserer ererbten Triebe und angebornen Instinkte, so versagen die überzeugendsten Gründe und die ernstesten Forschungen." — Almau. Leben, Lieben Singen. Gedichte von Franz Lindheimer. Verlag von S. Hörning, Heidelberg. Diese Sammlung von Poesien erregte unser Interesse, weil sie, wenn auch religiös, allgemein und frei gehalten, uns eine Anzahl von Schöpfungen bietet, welche inhaltlich dem alten Testament entnommen sind oder sich mit demselben berühren. Wir behalten uns vor, auf diesen bezeichnenden Punkt noch zurückzukommen und werfen vorerst einen umfassenden Blick über den Gesamtinhalt des interessanten Buches., Wir finden darin, um das Urteil sogleich summarisch vorwegzunehmen, Glut und Originalität der Empfindung, wilde, sturm- und drangvolle Genialität mit Reife des Geistes und anerkennenswerter Formvollendung verbunden. Lindheimer ist Realist und Moderner im besten Sinne des Wortes. Er lebt und wurzelt ganz in seiner Zeit, deren Geist er in sich ausgenommen und verarbeitet hat und deren Thorheiten er zu Leibe geht. Jedoch sich auf diese bloß negative Thätigkeit zu beschränken, dazu ist sein Herz zu voll, sein Wissensdrang zu mächtig. Mit heißem Bemühen ringt er nach einer Weltanschauung, die auf den Trümmern veralterter Vorstellungen herrlich erstehend, seine heißesten^ heiligsten Herzenswünsche und Geistesbedürfnisse befriedigen soll, und welche von seiner Ansicht nach krankhaften Jenseitsgedanken durchaus nichts wissend, nur in der schönen Wirklichkeit, in der Haruionie des Seins Göttlichkeit gelten läßt. Wie soll man nun diese Weltan- *) Es ist vor kurzem eine vortreffliche Ausgabe dieses Werkes „Die Vererbung" bei Georg H. Wigand in Leipzig erschienen.