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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-02-01 · Heft 2 (1.2.1896) · p. Seite 43

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 2 (1.2.1896)
Date
1896-02-01
Page
Seite 43 (sequence 19)
Language
German
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43 im Jahre 1792, als er periodisch in Wien lebte, ein inniges Verhältnis mit einer Jüdin, Namens Rahel Löwenstein angeknüpft hatte. Das Mädchen war damals 17 Jahre alt, von wnnderbarer Schönheit und Geistesbildung, so daß der junge Meister entschlossen war, sie zu ehelichen, wenn sie zum Christentum überträte. Doch die Jüdin lehnte diese glänzende Zukunft ab und blieb ihrem väterlichen Glauben treu. Zwischen beiden hatte ein Briefwechsel stattgefunden. Die Originale befinden sich in dem Codex Nr. 7989 der seiner Zeit königlichen Bibliothek zu Paris und sind von Alfred Prins in dessen Werk mitgeteilt. Die Liebenden haben teils in Prosa, teils in Versen geschrieben. Beethoven schrieb am 8. Mai 1792 an Rahel Löwenstein: „Wie lange' sucht vergebens Dich doch mein diist'rer Blick? Die Sonne meines Lebens Kehrt erst mit Dir zurück. Aus allen meinen Pfaden Erlischt des Tages Schein. Ich bin mit Schmerz beladen Verlassen und allein." Rahel Löwenstein am 11. Mai 1792 an Beethoven: „O eitler Wahn! schon schwindet Das holde Traumgcsicht; Mein Auge sucht und findet Mein Arm erreicht Dich nicht. Uns trennen hohe Hügel 'Ewig fern bleibt uns Glück Gieb Deiner Liebe Zügel, Und trage Dein Geschick." Am 19. Mai 1792 trafen sich Beethoven und Rahel Löwenstein heimlich in der Umgebung Wiens. Beethoven wollte das Mädchen entführen und schwur ihm mit aller Glut des liebenden Jünglings ewige Treue und Liebe. Bei der Zusammenkunft gab sich Rahel als Jüdin zu erkennen. 26. Mai 1792 schreibt Beethoven an Rahel Löwenstein: „Ich nenne Dich Du! Du verzei'hst mir es gewiß! Ich kann Dich nicht lassen, wenngleich Du eine Jüdin bist! Die heilige Schrift kennt die Namen der Männer Deines Volkes, sie erzählt, was sie einst für glänzende Thaten gethan. Aber ich wandte den Blick und sah in der Tiefe meines Herzens meines Tempels Heiligtum: Der Heiland! O, warum stehen nicht alle Menschen einig um das Feld des Erlösers? Welche Verwüstung ist hier auf Erden — und welch' ein neidisches Schicksal hat in Trümmer und Nacht uns Menschen alle gestürzt. Rahel, geliebtes Wesen, um meiner zärtichen Sorge willen, erkenne des Erlösers Herrlichkeit an, denn von Geschlecht zu Geschlecht wird glänzender sein Name auf Erden! Für dein Volk hat inan keine Gnade; des Pfaffen Wort

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