Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1896)
- Date
- 1896-02-01
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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'^ ,-^4—-r^.-^;srqrvvry»* *w ■ — 30 — wird dieses Konglomerat aus verschiedenen Stämmen sich vollkommen zu einereinzigen amerikanischen Nation mit einem gemeinsamen amerikanischen Gepräge gestaltet haben, und die Elemente, aus denen die neue Nation sich gebildet haben wird, werden dann nur schwer erkennbar und nachweisbar sein. In ähnlicher Weise giebts auch eine jüdische Nation oder einen jüdischen Stamm, und als Stammesgenosse wird der Jude in seinen Stamm hineingeboren. Irrtümlich ist es zu sagen, die Judenheit sei von vornherein nichts weiter als eine Kirche oder Religionsgemeinde, und als Bekenner des Judentums trete der Jude bei seiner Geburt in die Welt ein. Als Mitglied einer Religionsgemeinde wird man nicht geboren, als ein solches kann man ausgenommen werden, und zwar entweder durch die ausdrückliche oder stillschweigende Willenserklärung der das Kind stellvertretenden Eltern bei einer gelegentlichen feierlichen Handlung, oder durch den freiwilligen Beitritt in reiferen Jahren. Bei den Juden ist das Verhältnis ein anderes. Man wird als Stammesgenosse geboren, und als Stammesgenosse übernimmt man die Verpflichtung der Treue gegen die Staimnesreligion. (Fortsetzung folgt.) Des Judentums Anteil an der Religion der Zukunft. ii. Nachdem wir im ersten Abschnitte zu beweisen suchten, daß religiöse Fragen Jedermann, und den Juden ganz besonders wichtig erscheinen sollten, und daß der Bestand des Judentums durch gewaltsame Eingriffe von außen nicht mehr gefährdet erscheint, haben wir zu beweisen, daß: eine solche Gefährdung auch durch freiwilligen Austritt nicht zu erwarten ist, und, damit verbunden, zu untersuchen, ob und in wie weit das Judentum geeignet erscheint, bei dem Suchen nach einer Religion der Zukunft eine wesentliche Rolle zu spielen. Eine Religion der Zukunft ist nur denkbar durch Gewinnung neuer Gesichtspunkte, da, wie allgemein anerkannt, die bisherigen Schwesterreligionen, die jüdische und christliche, sich in einein Zustande allgemeiner Ermattung und Hinfälligkeit befinden, und alle Versuche, sie wieder neu zu beleben, sich als. erfolglos erweisen. Wir sehen, wie von gewisser Seite alle Mittel angewendet werden, um die Masse der Völker für die bisherigen Religionen wieder neu zu gewinnen, und wie trotzdem von überallher klagend beteuert wird, daß die Religion bei Juden und Christen in weiterem rapidem Niedergange begriffen ist. Hier zeigt sich aber schon ein wesentlicher Unterschied zwischen Judentum und Christentum, wenn wir dabei nur die Religion im Ange haben.