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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-02-01 · Heft 2 (1.2.1896) · p. Seite 26

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 2 (1.2.1896)
Date
1896-02-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 geschlossenen Ehebund auch im Hause des lebendigen, unsichtbaren, rein geistigen Gottes um seinen beglückenden Segen inbrünstig zu beten, Zeugnis davon ablegt, daß Sie durchdrungen sind von des Propheten Lichtgedanken: „fürwahr einen himmlischen Vater haben wir alle, ein Gott hat uns geschaffen; warum sollten wir treulos sein gegen einander"; warum sollen wir nicht von diesem gemeinschaftlichen allgütigen Vater reichen Segen erflehen für das Familienglück eines jeden ehrlichen Menschenbruders? Doch bevor ich jetzt diesem prophetischen Lichtgedanken entspreche, sei mir, meine wackeren Mitbürger, gestattet, an diesen ersten überaus feierlichen Moment, in welchem wir gleichsam die messianische Idee nnserer göttlichen Religion triumphieren sehen, eine kurze Betrachtung zu knüpfen. Als der redegewaltigste Prophet Jesaias in einer hinreißenden Flammenrede das fried- und liebevolle Zeitalter der künftigen messianischen Welterlösung mit den glänzenden Farben seiner reichen Phantasie schilderte, — da strahlte vor seinem weitschauenden Seherauge ein ganz neuer heiterer Himmel auf, und eine ganz neue blühende Erde, wo die Menschen nicht mehr böse, verderblich handeln und sich nicht mehr haßen auf der heiligen Höhe der Religion, weil die Erde voll der reinen Gotteserkenntnis, wie die Meerestiefen bedeckt sind von den Wasserfluten. — Nun meine andächtigen Zuhörer! eine solche fried- und liebevolle Menschenwelt hat sich leider noch nicht überall auf Erden entfaltet. Hören wir doch selbst in unserer unmittelbaren Nähe, im Nachbarlande, so wie in vielen auf Wissenschaft und Bildung so stolzen Kultnrstaaten den verderblichen Sturm des Rassen- und Religionshasses wüten, der zur Schändung der göttlichen Religion die heiligen, vereinigenden Bande der Humanität zerstört. — Aber, Dank dem Gotte des Lichtes, der in der That auch der Gott des ritterlichen Ungarnvolkes ist, — in unserem teuren Vaterlande, auf dem von Recht und Liebe geküßten Boden Arpads und Hunyads, hat sich die Glaubenshoffnung des Propheten Jesaias erfüllt. Hier erblicken wir Juden einen von den finsteren Wolken des Urrechts und der Vorurteile völlig befreiten Lebenshimmel, an welchem die Leitsterne der bürgerlichen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nun ihr vollglänzendes Licht empfangen von der strahlenden Sonne der Glaubens- und Gewissensfreiheit; hier sehen wir auch ein gottgesegnetes neues Lebensfeld, aus welchem die Blüte der echten und rechten Religiösität: die Wunderblume der trotz Glaubensverschiedenheit alle Mitmenschen innigst vereinigen- - d en Lieb e, so reichlich sich entwickelt unter den erwärmenden Stahlen der vernünftigen Duldsamkeit und Humanität. Diese heilbringenden, sanften Strahlen, geehrtes Ehepaar, mögen auch stets Ihr trautes gemütliches Familienheim durchleuchten, und der seelenerqnickende Duft dieser Wunderblume, der selbstlosen Liebe, möge es immerdar erfüllen, unter dessen Wirkung Sie gewiß friedlich zusammen leben werden in der Einheit

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