Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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— 22 zügm überzeichnet, so daß das Bild des Königs nicht zur richtigen Klarheit gelangt. Den. Höhepunkt des Schauspiels bildet der dritte Akt, der voll dramatischer Wirkung ist. Der Autor wurde vielfach gerufen, auch der Schlußakt lebhaft applaudiert. Die Aufführung war größtenteils lobenswert. Oberregisseur Grube war anwesend. — In Düsseldorf wurde im Stadtthe-ater die Oper „Sylvana" von Weber, nebst einem Prolog „Die Sage" von Weber mit der Neubearbeitung des Textes von Pasquö und der Musik von Ferdinand Langer gegeben. — Man berichtet: In den Provinztheatern kommt die Borniertheit und Dreistigkeit gewisser Komödianten gleich darin zum Vorscheine, indem sie, namentlich bei Operetten-Vorstellungen, jüdische Worte und Sätze in den Text einmischen, um dadurch die Sprache der Juden in den Augen der Andersgläubigen zu verunglimpfen und lächerlich zu machen. Im Czernowitzer Stadttheater war dies unter den früheren Direktoren nie der Fall; jetzt aber, da der „Leiter" desselben eine totale Unkenntnis seines Faches bekundet und gar kein künstlerisches Verständnis für die Sache besitzt, macht es ihm wahrscheinlich Freude, wenn derlei Unzukömmlichkeiten auf der Bühne Vorkommen. Ich wohnte neulich einer Aufführung des „Bettelstudent" bei und nahm da wahr, daß ein Chorist als „Jude" verkleidet sich auf der Bühne zu thun machte, wiewohl eine solche Figur im Srücke nicht vorgeschrieben und auch nicht in den Intentionen des Dichters und des Komponisten dieser Operette gelegen ist. Überdies erlaubte sich der Komiker in sein Corrplet das Wort: „Schäbbes" u. A. aufzunehmen, was auf das jüdische Publikum verletzend wirkte. Herr Richard Löwe — so der Name dieses famosen „Bühnenleiters" — scheint zu vergessen, daß die Juden von Czernowitz die Majorität der Theaterbesucher bilden und daß es ein schreiendes Unrecht ist, sie für ihr gutes Geld noch zu beschimpfen. Möge sich das jüdische Publikum vom Besuche einer solchen „Schmiere" ostentativ fernhalten. — Der als Pianist, wie als Componist berühmte Professor Consolo aus Florenz, spielte jüngst vor der Königin Margherita. Dieselbe bezeigte ihm, wie im vorigen Jahre bei gleicher Veranlassung, ihre hohe Anerkennung und sprach hierbei namentlich über seine Composition „II Credente“ (Der Gläubige) ihre volle Bewunderung aus. Sie selbst begleitete den Künstler beini Vortrage dieses Stückes am Klavier. — Herrn Isidore, dem sel. Großrabbiner von Frankreich, der 1888 starb, wurde erst sieben Jahre nach seinem Tode ein Denkmal gesetzt. Das Denkmal ist ein prachtvoller Sarkophag, den der hervorragende Architekt Aldrophe entworfen hat. — Die am Kleberquai in Straßburg i. E. neu zu errichtende Synagoge wird nach den Plänen des Architekten Prof. Louis Levy gebaut werden; das neue Gotteshaus wird eines der größten in Deutschland werden und hofft man dasselbe im Laufe des künftigen Jahres einweihen zu können. — Anläßlich einer Erdaushebung wurde in Großwardein ein silberner Becher mit folgender Inschrift gefunden: