Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 worden. — In Amsterdam fand jüngst in der großen Synagoge die Trauung des Fräuleins Louise Heymanu, Tochter des Herrn Oberkantors daselbst, mit dem Bankier Herrn Göttinger aus Berlin statt. Es wurde ein großer Pomp entfaltet, würdig der gottbegnadeten Sängerin und der allgemein beliebten und verehrten Diva, die so viele Tausende durch ihre süße Stimme entzückt hat. — Die Gesellschaft für Sammlung und Couservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums in Wien hat ihr Muse»ms-Lokal im Hause, I., Rathausstraße 13 eröffnet. In der letzten Zeit sind ihren Sammlungen wertvolle Geschenke an Kunstwerken aus Silber, Bronce und Majolica, ferner Büsten, Kupferstiche und Bücher, sowie Objekte von historischem Werte rc. zngekommen. Nach Ordnung und Aufstellung der Gegenstände, an welche» stets der Name des Spenders angebrackt erscheint, werden diese Sammlungen zum öffentlichen Gebrauche freigestellt werden. — Georg Engels Schauspiel „Hadasa" dessen Premiere am Breslauer Stadttheater stattfand, behandelt wie des Autors dramatisches Erstlingswerk „Der Hexenkessel", die Geschichte einer letzten Nacht. Damals erwartete der Held des Stückes mit Ablauf der Nacht seinen Tod, und noch einmal strömte in den verhängnißvollen Stunden das Verlangen nach Lebensgenuß in voller Kraft durch seine Seele. Heute sollte ein zartes Mädchen das gleiche düstere Geschick erleiden, und sie verwendet die wenigen Stunden die ihr noch beschieden sind, dazu, ein ganzes dein Untergang geweihtes Volk zu erretten. Die Einkleidung dieses Stoffes ist dein arabischen Märchencyklus „Tausend und eine Nacht" entnommen. Die Heldin gleicht der Prinzessin Scheherasada, die deui Sultan, ihrem Gemahl, in der Hochzeitsnacht Märchen erzählt. Doch was im ersten Akte nur sagenhaft ausklingt, geht alsbald in historische Wahrheit über. Der Herrscher, dem die Züge des fabelhaften Sultans verliehen waren, ist der geschichtliche Perserkönig Ahasver, der wahnverblendet nicht blos seine Braut, sondern alle in seinem Reiche wohnenden Juden ausrotten will, — und die Mürcheuerzählerin ist Esther-Hadasct, die es unternimmt, den König von seinem Wahn zu heilen und ihren Stammes-, genossen Begnadigung zu erwirken. Wie man sieht, hat sich der junge Autor mit großer Kühnheit an einen recht schwierigen Stoff gewagt, aber der Erfolg hat das Wagnis belohnt. Die Aufgabe ist mit künstlerischem Geschick von ihm gelöst worden. Volle Anerkennung verdient die knappe Exposition, aus der sich die Handlung rasch und in kräftigen Szenen entwickelt. Ein kurzes Zwiegespräch, humoristisch gefärbt, belehrt uns beim Aufgcheu des Vorhanges über die Situation und führt uns mitten in den Konflikt, der sofort unser volles Interesse in Anspruch nimmt. Die Sprache, in freien Reimen behandelt, besticht durch poetischen Wohllaut und Schönheit der Bilder, wenn sie auch nicht durch Gedankentiefe ausgezeichnet ist; die Charakteristik der handelnden Personen ist sicher entworfen, nur für Ahasver hat der Dichter zu viel gethan und ihn mit Charakter-