Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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erworben haben, ist auch das gesteigerte Anpassungsvermögen, welches in Verbindung getreten ist.mit der ursprünglichen Lebensfähigkeit und Entwicklungsfähigkeit der Rasse. Wir gewinnen hierfür das überzeugendste Bild, wenn wir die Inden mit einer geringen Rasse, wie z. B. die Zigeuner vergleichen, denen sie antisemitische Geographen und Ethnographen gerne hintansetzen.. Während wir im Laufe der Zeiten viele Nationen und Völkerschaften verschwinden sehen, indem sie in anderen aufgehen, und daher die meisten der bestehenden als ein.Mischmasch zu betrachten sind, haben Juden und Zigeuner sich erhalten; aber welch einen gewaltigen Abstand finden wir zwischen diesen beiden Völkern! Die Zigeuner, welche den Juden an Kopfzahl gar nicht so sehr nachstehen (etwa 4 gegen 7 Millionen) treiben sich seit vielen Jahrhunderten fast heimatlos herum, beinahe ganz unzugänglich den Fortschritten der Kultur der sie einschließenden Völker, verharrend in dem Zustande eines fast wilden Volkes. Noch schlimmer! Sie nehmen von den Adoptivvölkern die meisten Laster und Untugenden an und verlieren alle Vor-: züge und Tugenden eines wilden Volkes! Wenn man die Sage vom „ewigen Juden"" auf sie anwenden könnte, würden sie dessen Bild von der widerlichsten Seite zeigen, während die Juden es von der erhabensten Seite darstellend würden! Diese haben es verstanden, sowie die Umstände es nur irgendwie gestatteten, mit . den Fortschritten der Kultur ihrer Adoptivvölker gleichen Schritt zu halten, eventuell den Vorsprung derselben rasch einzuholen, und unter günstigen Verhältnissen sogar diesen Fortschritt fördern zu helfen. Wir sehen sogar jetzt manche Juden, die mit den Völkern, unter welchen . sie leben, sich ganz identifizieren möchten und daher, ,init oder ohne religiöse ' Überzeugung, sich auch der Religion oder Konfession dieser Völker anschließen. So vollzieht sich bei manchen der Übergang zum Christentum, unterstützt, von dem Streben nach angesehenerer Stellung oder det Erlangung gewisser Positionen, die zur Zeit den Juden noch nicht zugänglich sind, und von sonstigen persönlichen Gründen. Aber es sind viele erhebliche Umstände vorhanden, welche, die Anzahl, der zum Christentum Übertretenden auch für die Zukunft so beschränken werden, da auch hieraus eine Gefahr für den Bestand des jüdischen Stammes nicht entstehen wird. ° Wenn wir als Gleichnis für die Herstellung eimr Religion der Zukunft die eines Werkes der Bildhauerkunst wählen, so wissen wir. daß der Bildhauer einen dauerhaften, möglichst unverwüstlichen Stoff braucht. Diesen glauben wir im Judentum gefunden zu haben, es bleibt uns dann noch übrig, später zu beweisen, daß dieser Stoff auch ein für die Bearbeitung des Künstlers überhaupt geeigneter ist, da die Dauerhaftigkeit allein ja nicht genügt. Vorerst haben wir noch die Dauerhaftigkeit vollends zu beweisen, und