Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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?• „einer. Hungersnot jagen mögen, und gleicher Weise, wenn ein einzelner Mann- „nach Nahrung jagt; oder wiederum, wenn gesagt werde, daß, ein MailY? . .„um das Dasein gegen die Wogen des Meeres kämpft, wenn er. Schiffhruch, .„gelitten. ' •-v ' ■ ... . - Derartige Kämpfe hat das Judentum aufs glorreichste bestanden, die uner.-^ hörten Verfolgungen haben bei den Juden die natürliche Zuchtwahl imKampfi um's Dasein ins Unendliche verschärft. Nur der widerstandsfähigste Teil blieb, der schwächere Teil ging unter. Aber die körperlichen und geistigen Eigenschaften,, welche, der überlebende Teil erwarb oder verstärkte, mußten diejenigen sein, die ihm die Fortdauer der Existenz ermöglichten oder erleichterten, während andere körperliche und geistige Eigenschaften, die bei dem Kampfe um's Dasein ganz oder teilweise entbehrlich oder nutzlos geworden, bei ihm in den Hintergrund traten,, oder ganz aufhörtey. Dies erklärt uns die ganz besonderen, eigentümlichen Eigenschaften, Fehler und Vorzüge der heutigen Juden, nebst deren aufsteigenden und absteigenden Veränderungen seit Jahrtausenden. Der Gläubige nennt dies die Hand Gottes in der Geschichte des jüdischen Volkes. Die Gegner der Juden wollen nicht einsehen, oder nicht zugeben, daß . die ungünstige Seite in den Zügen des jüdischen Volkes ihre allgemeine Verurteilung nicht rechtfertigen kann. Jedes Volk, auch wenn es in seiner Entwicklung nicht so grausam gehemmt wurde, wie das jüdische, hat seine Vorzüge und seine Fehler, gerade so wie auch jeder Mensch. Hören wir nicht täglich u. A. von der Eitelkeit und Ruhmsucht der Franzosen, dem Krämergeist und der Selbstsucht des „perfiden Albion", der Anbetung des goldnen Kalbs bei den Nordamerikanern? Ein deutscher General »erstieg sich sogar in Gegenwart vieler Personen, wobei auch ich mich befand, zu der Bemerkung: „Die Schweizer sind ein gemeines Pack." Anstatt anzuerkennen, daß die Fehler der Juden nicht schlimmer zu beurteilen sind, als die anderer Völker und Menschen, bemüht man sich, ihre Fehler als Rasjenfehler zu verdammen, und ihre Vorzüge zu ignorieren. Wenn man dann gar von einem Juden hört, der eigentlich nur Lob verdient, dann heißt es: „O ja! es giebt auch ganz ordentliche Juden," wobei man aber auf das Wort ordentlich einen solchen Nachdruck legt, daß der Schlußeindruck sein soll: „Die meisten Juden sind eben nicht ordentlich, dieser Eine bildet eine Ausnahme von der Regel. In den Augen der Christen müßte aber, wenn sie gerecht sein wollen, der Jude schon von vornherein Absolution für seine Fehler finden, da sie erkennen müßten, daß diese Fehler durch die unerhörten Verfolgungen und Unterdrückungen der Christen entstanden oder verschärft worden sind, und sie müßten die Vorzüge doppelt anerkennen, welche das jüdische Volk trotz aller Erschwerungen erworben oder erhalten hat.