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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-01-01 · Heft 1 (1.1.1896) · p. Seite 2

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 1 (1.1.1896)
Date
1896-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Natürlich erwarteten weder Strauß noch Hartmann, das; der gewaltige „Fels der Kirche" schon während des jetzigen Jahrhunderts besonders stark ^erschüttertviel weniger daß er zertrümmert und beseitigt werden würde. Doch mit tief eindringendem Geistesblicke erschauten sie die Symptome des allmählichen Sinkens und Dahinschwindens, und mit gleichsam prophetischer Vorausschau verkündeten sie es, daß, wenn auch nur langsam, eine Zukünst Nahe, in welcher es keine christliche Kirche mehr geben, und in welcher eine auf ganz andern Grundlagen sich aufbauende Religion die Menschheit erheben und heiligen werde. Vor etwa. einein Jahre wurde .wieder von neuem die Stimme eines hervorragenden deutschen Philosophen über den Gegenstand laut. Prof. Ziegler in Straßburg, ein Mann, dessen Name weithin einen sehr guten Klang hat, veröffentlichte im vorigen Jahre eine Geschichte der Ethik, und am Schluß des Vorworts erwähnt der Verfasser, daß vor mehr als 20 Jahren D. F. Strauß die zwar damals schon nicht mehr neue, doch von ihm besonders' scharf formulierte Frage :, „Sind wir noch Christen?" aufgestellt und in der bekannten Weise be- . antwortet habe.. Auch er, Prof. Ziegler, müsse es aussprechen, daß er zu denselben Folgerungen und Ueberzeugungen wie Strauß gelangt sei, und daß auch er sagen müsse: Wir sind keine Christen Mehr, wir sind die Bekenner und Verkünder einer unchristlichen, einer neue» Gottes- und Weltanschauung, einer neuen Glaubens- und Pflichtenlehre, einer neuen, im Werden begriffenen Religion. Doch es ist nicht nötig, noch andere hervorragende Lehrer dieser neuen vom Christentum .abgewandten Religion zu nennen. Es ist nicht mehr blos die eine W 4eiWii>dM Frühling l verkündet, M> Hunderte «Kd Tausende . MchEunIUWtw äkts,'' Rlerwätzks Zwitschert' wsMmDM:-Das Alte -ist LerMßgkr : oster'üm Prozeß wes Vergehens begriffen, und in einer neu sich bildenden, einer : besseren Welt, in einer Welt Mit anderem religiösem Geistesinhalt, anderen ge- Mütserhebenden Mächten, anderen edles Wolle» 'und Streben fördernden Faktoren - werden die Enkel und diejenigen, die nach ihnen kommen werden, leben und streben. Ob und in wie weit diese Ausblicke in die Zukunft und die daran sich küüpfenden Hoffnungen berechtigt sind, das zu untersuchen ist nicht die Aufgabe die ich heute Mir gesetzt habe, — ich erzähle, ich berichte blos. Wie man aber in nichtjüdischen Kreisen, und gewiß nicht in den gedankenlosen Teilen derselben, die Frage sich vorgelegt hat: Sind wir noch Christen? also haben in ähnlicher Weise viele Juden in lauten und vernehmbaren Worten, und Mehrere noch in der Stille ihres Geistes die Frage aufgeworfen: Sind wir noch Juden? ' - Gewiß ist bei Bielen die Quelle für diese Frage nur in Ignoranz oder Unverstand zu suchen. Sie erblickten nämlich das Wesen des Judentums im Gesetze und sie machten die Wahrnehmung, daß die Gesetzestreue unter zahllosen Tausenden von Juden, namentlich in Kulturländern dahinschwinde und daß das

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