Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1895)
- Date
- 1895-12-01
- Page
- Seite 284 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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284 - . . -~v .. - r" t" c.- --VT Bevölkerung. Am Sarge gaben die Herrn Direktor Baerwald, Redakteur Otto Hörth, Direktor Fleisch und Dr. Ernst Auerbach den Gefühlen der Trauer tiefempfundenen Ausdruck. — An der von dem Vorstand des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einberufenen Delegirten-Versammlung, welche in Berlin am 6. Oktober abgehalten wurde, fand folgende Resolution Annahme: „Die hier anwesenden Vertreter der Berliner Gruppen des Central-Vereins und die anwesenden Vertreter schlesischer Synagogen-Gemeinden erkennen die Notwendigkeit an, auf dem Wege der Selbsthilfe in der weitesten Oeffentlichkeit ihre staatsbürgerlichen Rechte zu verfechten. Sie wollen ohne Scheu jeder Gefährdung und Verkümmerung derselben entgegentreten und sehen in der Organisation, wie sie der Central-Verein geschaffen hat, den Weg, als Juden und Staatsbürger zugleich ihr verfassungsmäßiges Recht zu fordern- Daher ist es nötig, den Central-Verein immer mehr zum Mittelpunkt für diese Bestrebungen zu machen und für den Anschluß wenn möglich aller Deutschen jüdischen Glaubens an den Verein zu arbeiten."— Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin hat dem „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" eine Subvention von 500 Mk. zunächst für das Etatsjahr 1895/96 bewilligt. Hoffentlich werden andere Gemeinden in Deutschland diesem Beispiele folgen. — Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Berlin wurde am 15. Oktober der Wintercyklus mit einem Vortrag des Herrn Dr. A. Berliner über den Einfluß der hebräischen Buchdrucker auf Kultur und Kultus der Juden vor einem zahlreichen Publikum eröffnet. Zuerst erörterte er die Zeit vor der Erfindung des Buchdruckes, er sprach von den Vorschriften über die Abschreibung der heiligen Bücher und über das Ausleihen. Es fielen aus diesen Vorschriften höchst interessante Streiflichter auf die Kultur der Juden. Die eigentümliche Art z. B., sich beim Gebet zu bewegen, führte der Redner darauf zurück, daß vor der Zeit des Buchdruckes Gebetbücher nur in sehr beschränkter Zahl fin der Gemeinde vorhanden waren. Daher mußten mehrere Beter in ein vor ihnen aufgeschlagenes Buch blicken, und so erklärt sich das öftere Auf- und Niederbewegen der Gläubigen. Daß die Idee der Buchdruckerkunst bereits ini jüdischen Volk herrschte, geht daraus hervor, daß ein gelehrter Abschreiber die vier Zeichen des Namens Gottes ausgeschnitzt und zusammen geheftet hatte und den heiligen Namen in einem Zuge zu Papier bezw. Pergament bringen konnte. Die Erfindung der Buchdruckerkunst hat in erster Linie dazu beigetragen die heiligen Schriften möglichst weit zu verbreiten und fast jeder Familie ein Gebetbuch zu gestatten. Danach ist eine ganze Anzahl von Vorschriften über das Verleihen der Bücher außer Kraft gesetzt worden. Endlich ist ein wesentlicher Unterschied in der Einteilung der Bibel durch die Buchdruckerkunst herbeigeführt worden. Die alten Handschriften kennen keine Zweiteilung der Bücher Könige, Chronika rc., ebensowenig eine Kapiteleinteilung; das alles ist erst durch den Buchdruck ge-